Ansbach Plus | 03. Dezember 2016 AN + | 03.12.2016

Meier Kahn

Meier Kahn

Meier Kahn

Meier Kahn (* 12. Mai 1886 in Mittelsinn/Unterfranken; am 17. Juni 1943 deportiert ins KZ Auschwitz) war ein studierter Jurist jüdischer Konfession, Landgerichtsrat und kurzzeitig auch Ansbacher Staatsanwalt. Er galt als Held von Aschaffenburg.

Der Sohn des Kaufmanns Samuel Kahn und seiner Ehefrau Jette (geb. Kahn) absolvierte nach dem Abitur in Fulda zwischen 1906 und 1912 das Jurastudium und den Militärdienst in Würzburg. Er war in den Jahren 1915-1918 Teilnehmer im 1. Weltkrieg, wo er als Vizefeldwebel Dienste und mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet wurde. Nach der Fortsetzung des Studiums in Würzburg und München folgte 1919 die Staatsprüfung und ab Januar 1920 die Anstellung als 3.Staatsanwalt am Landgericht Ansbach und am Landgericht Nürnberg-Fürth, ab 1925 als Amtsrichter in Ansbach.

Am 19. November 1922 heiratete er Lilly Stern (* 18. März 1900 in Schlüchtern), Tochter des Leo Stern und Judith (geb. Wolf).

1929 erfolgte der Umzug nach Aschaffenburg, wo Kahn als Erster Staatsanwalt ans Landgericht berufen worden war. In dieser Funktion wurde er 1931/32 auch zum Helden von Aschaffenburg. Ihm war es zu verdanken, dass die Beute eines spektakulären Kunstdiebstahls aus dem Aschaffenburger Schlossmuseum, darunter Radierungen von

Ehepaar Maier und Lilly Kahn

Ehepaar Maier und Lilly Kahn

Rembrandt, wiederbeschafft werden konnten, da er hatte sich im Zuge der Ermittlungen selbst als Interessent ausgegeben hatte und so die Kunstwerke im Wert mehrerer Millionen Reichsmark sichern konnte. Er erhielt hierfür eine Belohnung und die Beförderung zum Landgerichtsrat.

Dieser Verdienst wurde bereits wenige Jahre später völlig hinfällig, als Kahn zunächst in das Grundbuchamt degradiert wurde und schließlich 1935 als Jude unter den Nationalsozialisten Berufsverbot erhielt und aus dem Staatsdienst entlassen wurde. Er unterstützte danach zahlreiche jüdische Mitbürger kostenlos mit seinem juristischen Fachwissen und wirkte als letzter Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Aschaffenburgs.

Während die eigenen Emigrationsbemühungen scheiterten, konnten die Eltern 1939 den jungen Sohn Robert (*1923 in Fürth;†2001 in Melbourne) noch mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit bringen. Meier Kahn und seine Ehefrau Lilly wurden am 29. Oktober 1942 zunächst nach Würzburg und am 17. Juni 1943 ins KZ Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden. In Aschaffenburg erinnern heute Stolpersteine an ihr erlittenes Unrecht.

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