Ansbach Plus | 09. Dezember 2016 AN + | 09.12.2016

Belco

Bis 1982 Standort der Produktion. Abbruch des Gebäudes erfolgte 1991

Bis 1982 Standort der Produktion. Abbruch des Gebäudes erfolgte 1991

Gegründet wurde die Firma Bellmann & Co (Belco) im Jahr 1922 in Berlin, mit einem späteren Zweigbetrieb im Saarland. Durch die Wirren des 2. Weltkrieges erfolgte die Verlagerung des Betriebes nach Ansbach. Am 1. Mai 1945, kurz vor Beendigung des Krieges, erlangte die Firma Bellmann & Co. in der Brauhausstraße 17 in Ansbach das Recht zur Herstellung von Metall-, Holz- und Kunstharzartikeln. In diesem Gebäude befand sich zuvor das Hafermagazin der Ansbacher Ulanen sowie ein Lager für Kriegsflüchtlinge aus dem Baltikum.

Die Materialien wurden gepresst, gespritzt, gestanzt und gezogen, so dass ein umfang- reiches Sortiment für den aufstrebenden Nachkriegsmarkt zur Verfügung stand. Außer Artikeln für den täglichen Bedarf wie Kugelschreiber oder Kämme produzierte Belco auch Spielzeug. Bellmann kam es entgegen, dass sich im selben Gebäude über mehrere Jahre auch das Großhandelsunternehmen NEUFA befand, welches unter anderem mit Gegenständen aus Bakelit handelte. So konnte sich eine zeitweise Zusammenarbeit entwickeln.

Das Spielzeug von Belco war aus unterschiedlichsten Materi- alien wie Druckguss, Bakelit, Polystyrol oder Blech gefertigt. Unter den Sammlern am bekanntesten dürften die Automodelle aus der Mitte der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre sein, die sogenannte 500er Serie. Aus dieser Serie ist die Nr. 505 hervorzuheben, das „Unfallauto“ oder auf Englisch „Accident Car“. Es besaß einen Uhrwerksantrieb und fiel bei Aufprall auf ein Hindernis auseinander. Die Autoteile mussten danach wieder zusammengefügt werden. Belco stellte diese Autos in sogenannter Gemischtbauweise her. So konnte die Bodenplatte aus Bakelit oder auch Blech bestehen, der Aufbau, also die Karosserie aus Kunststoff sowie die Stoßstangen aus Chrom. Diese Modelle sind auch heute noch bei Sammlern besonders begehrt.

Neubau an Stelle des ehemaligen Produktionsstandortes

Neubau an Stelle des ehemaligen Produktionsstandortes

Belco gehörte zu Beginn der 1960er Jahre zu den ersten Spielzeugherstellern, die den Wandel zum Plastik-Spielzeug vollzogen. Um 1960 konnte die Firma nach eigenen Angaben schon über 100 Modelle an Kinder-Plastikservices anbieten. Der Umstieg begann bereits in den 50er Jahren.

Belco betrieb auch einen eigenen Formenbau und eine eigene Schreinerei, wodurch die Produktpalette sehr vielseitig wurde. So war Belco in den 1960er Jahren der erste Anbieter von unzerbrechlichen und nicht brennbaren Christbaumkugeln. Aber auch Wäscheklammern und Diarahmen wurden produziert.

Die Firma Bellmann & Co. ging im Jahr 1977 in Konkurs. Bis zum Jahr 1982 übernahm die Nachfolgegesellschaft „Dispolab“ die Fertigung am gleichen Standort. Danach wurde das Inventar verkauft, für das Fabrikgebäude fand man keine Verwendung mehr. Der Komplex wurde im Februar 1991 abgebrochen und durch einen neuen Gewerbebau ersetzt.

Im Dezember 2014 widmete der Kunstverein Ansbach der Firma eine eigne Ausstellung, nachdem der Verein mit einem Nachlass zahlreicher Christbaumkugeln aus Belco-Produktion bedacht worden war.

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