Ansbach Plus | 06. Dezember 2016 AN + | 06.12.2016

Anna Vandewart

Anna Vandewart

Anna Vandewart

Anna Vandewart (geb. Marcus, *28. Dezember 1885 in Ansbach; †10. November 1941 in Berlin) wurde als Tochter von Simon Marcus und Babette Marcus (geb. Wilhermsdörfer) in Ansbach geboren.

Sie heiratete den aus Nürnberg stammenden Diplomingenieur Eugen Vandewart, mit dem sie drei Töchter hatte: Marie, Eva und Gertrude, die alle drei noch rechtzeitig Deutschland verlassen konnten und deren Nachkommen heute u.a. in England und Australien leben.

Die Familie Vandewart lebte in Berlin-Westend. Nachdem die Eheleute ihren Deportationsbescheid erhalten hatten, wählten sie gemeinsam den Freitod. Ein verfasster Abschiedsbrief wurde erst durch Recherchen ausfindig gemacht und über 70 Jahre später an die Nachkommen weitergeleitet werden. In Berlin erinnern heute Stolpersteine an die Familie.

Abschiedsbrief:

“Liebste Kinder!
Was wir jetzt tun werden, tun wir, um ein quälendes unwürdiges Leben abzukürzen. Es muß Euch ein befreiender Gedanke sein, uns im Frieden zu wissen, als gequält u. gefaßt u. innerlich zermürbt, fern der Heimat zu vegetieren.

Wir sind jetzt ganz ruhig und heiter, wie schon lange nicht. Wir haben zu Abend gegessen, trinken jetzt Wein u. gehen dann in die Küche zu unserem letzten Schlaf.
Denkt an die Zeit vor 3 Jahren, so sind jetzt die Tage und Nächte gewesen, schlimmer noch, da jetzt Aussicht auf Rettung unmöglich scheint. Wir sind zu alt, um noch andere Zeiten zu erwarten; haltet ja gut durch. Haltet euch stark u. sauber u. innerlich intakt. Und trauert nicht um uns, es wird uns wohl sein, wenn alles überstanden ist. Es starben jetzt so viele Menschen in der Blüte der Jahre. Schwer ist der Gedanke von euch nichts mehr zu hören, [daß nun] die Zukunft vor uns läge, müßten wir damit rechnen, auch im Leben sehr lang nichts von euch zu hören. Eine Hilfe und ein Trost können wir Euch auch nimmer sein.

Aber werdet nicht bitter! Daß schwere Leben, daß ihr führen müßt, wird Euch anders ergehen, als das gesicherte Dasein unserer Jugend es konnte.

Aber ehe ich Euch im Elend wüßte, verfolgt und gehetzt, lieber wüßte ich Euch tot. Und so müßt ihr auch unser Fortgehen auffassen. Meine letzten Gedanken werden euch gelten. Eure Mutter

Mein ganzes Denken und Fühlen ist mit Euch.
Euer Vater”

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