Ansbach Plus | 16. August 2017 AN + | 16.08.2017

Ansbacher Rettungshundestaffel: Unsere Hunde schaffen Unvorstellbares

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  • Am 28. Juli 2017

Mensch und Hund retten gemeinsam Leben

Wenn Menschen vermisst werden oder unter Trümmern begraben sind, kommt die Ansbacher Rettungshundestaffel zum Einsatz. Die tierischen Spürnasen nehmen auch Stunden nach dem Verschwinden einer Person die Fährte auf und können somit Leben retten.

Ein des Teams der Ansbacher Rettungshundestaffel. Foto: Franziska Roos

Sei es der Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall, ein Erdbeben im Ausland oder der vermisste Demenzkranke, der im Wald vermutet wird – wenn die Ansbacher Rettungshundestaffel zum Einsatz ausrückt, zählt jede Stunde, in der die  Person nicht gefunden wird. Umso wichtiger ist die gute Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund, die viele Stunden Training abverlangt. Bis die Tiere ihren ersten Einsatz haben, müssen sie eine Ausbildung absolvieren, die zwischen zwei und drei Jahren dauert. Abschließend legt der Hundeführer mit seinem vierbeinigem Partner eine Prüfung ab, die alle 18 Monate wiederholt werden muss.

Das Ehrenamt bei der Rettungshundestaffel erfordert viel Zeit

„Grundsätzlich darf bei uns jeder mitmachen, der bereit ist, so viel Zeit ehrenamtlich zu investieren“, so Andreas Röhr von der Rettungshundestaffel Ansbach. Mit dem Training, das zweimal die Woche stattfindet, ist es noch nicht getan. Jeder Hundeführer ist für das Gehorsam seines Hundes zuständig und muss auch zu Hause trainieren. Bei der Auswahl der Hunde ist vor allem die Beziehung zwischen Mensch und Tier ausschlaggebend. Nicht jede Rasse ist für alle Suchgebiete geeignet. „Unsere Hunde müssen mit dem Menschen zusammenarbeiten wollen, weswegen vor allem Gebrauchshunde wie Jagd- oder Hütehunde geeignet sind“, erklärt Ines Dlugosch.

Andreas Röhr zeigt seiner Hündin den Schlüssel des Vermissten. Er dient als Geruchsträger. Foto: Franziska Roos

Hunde werden für verschiedene Einsatzgebiete ausgebildet

Die Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes in Ansbach setzt Hunde zur Flächen- und Trümmersuche als auch zum Mantrailing ein. Hunde, die auf Flächen arbeiten, suchen keine individuelle Fährte. Sie sind darauf konditioniert, allgemein menschliche Witterung aufzunehmen. Teams im Mantrailing suchen hingegen eine bestimmte Person. Hierbei bekommt der Hund einen Gegenstand des Vermissten gezeigt, der die individuellen Geruchspartikel der gesuchten Person enthält.  Hat das Tier den Geruch aufgenommen, beginnt die Suche. Während des Einsatzes werden teilweise Strecken mit bis zu sieben oder acht Kilometern abgelaufen. Der Spaß des Tieres steht an erster Stelle. „Für den Hund ist alles nur ein aufregendes Spiel, das am Ende eine Belohnung hat“, erklärt Ines Dlugosch.

Die Tiere leisten während der Suche Hochleistungsarbeit

„Unsere Hunde leisten Unvorstellbares“, lobt Andreas Röhr sein Team, „selbst  Tage nachdem ein Mensch verschwunden ist, können die Spürhunde die Fährte des Vermissten aufnehmen“. Im Training schaffen die Tiere es fast immer, die Versteckperson aufzuspüren. Schwieriger ist es in der Realität, denn oft verschwindet der Mensch in seinem Lebensumfeld, in dem er täglich unterwegs ist. Dementsprechend ist ein sehr großes Witterungsangebot gegeben.  Erfolgt eine Alarmierung dann nicht zeitnah, kann es für die eingesetzten Personenspürhunde schwierig sein, die neueste Witterung auszuarbeiten.  Mit bis zu 50 Einsätzen pro Jahr ist die Nachfrage nach dem Ansbacher Team groß.

Immer der Nase nach: Der Hund führt seinen menschlichen Partner zum Vermissten. Foto: Franziska Roos

Auch bei Erdbeben im Ausland ist die Ansbacher Rettungshundestaffel dabei

Aber nicht nur im Landkreis Ansbach und Umgebung ist die Rettungshundestaffel tätig. Einige Mitglieder waren mit ihren vierbeinigen Partnern schon in Auslandseinsätzen tätig. Ines Dlugosch half mit ihrem Trümmerhund in der Türkei, in Algerien und im Iran. Die Bilder nach dem Erdbeben im Bam im Iran im Jahr 2013 hat die 57-Jährige noch heute im Kopf: „Die ganze Stadt lag in Trümmern. Das war wirklich eine schreckliche Szenerie.“ Damals suchten Rettungshundestaffeln aus verschiedenen Ländern mehrere Tage lang nach Menschen unter den eingestürzten Häusern. Wer im Ausland als Hundeführer Leben retten möchte, benötigt eine zusätzliche Ausbildung. So musste Ines zum Beispiel lernen, wie sie sich vor Schüssen schützt.

Die Suche nach Vermissten kann oft zur psychischen Belastungsprobe werden

Ihr schlimmster Einsatz sei bisher das Unglück in Bad Reichenhall gewesen. Damals stürzte eine Eislaufhalle unter den Schneemassen des Daches ein.  „Das Wissen, dass unter den Trümmern noch Kinder sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr leben, ist unerträglich“, erinnert sich Ines Dlugosch. Sie ist bereits seit 25 Jahren bei der Rettungshundestaffel und bildet die Tiere für die Suche aus. „Die Arbeit mit den Hunden ist ein Familienhobby. Mein Mann hat damals die Ansbacher Rettungshundestaffel 1981 gegründet“, erzählt Ines. Auch wenn das Ehrenamt viel Zeit und mentale Stärke abverlangt, lohne sich jedes Training und jeder Einsatz, schließlich sei die Rettung eines Lebens die größte Belohnung.

 

 

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