Ansbach Plus | 23. März 2017 AN + | 23.03.2017

Gastbeitrag: Meine Erfahrungen als Kassiererin

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  • Am 19. März 2017
Regale im Supermarkt. Symbolfoto: Pascal Höfig

Regale im Supermarkt. Symbolfoto: Pascal Höfig

Ein anonymer Gastbeitrag.

Guter Kunde, Böser Kunde

An der Kasse zu sitzen, setzt natürlich voraus, im ständigen Kontakt mit Menschen zu sein. Dass die Begegnung mit immer wieder neuen, verschiedenen Leuten in möglicherweise noch stressigen Situationen nicht immer einfach ist, sollte eigentlich klar sein. Nach all der Zeit, die ich hinter der Kasse verbracht habe, erlaube ich mir hier, all die Kunden in zwei Gruppen zu teilen.

Zuvorkommend

Es gibt die Menschen, die einen guten Tag, ausgezeichnete Laune und Verständnis für Verzögerungen am Kassenband haben. Jene, die freundlich grüßen und neuen, verunsicherten Mitarbeitern Mut zusprechen. Diese Menschen verstehen, was es heißt, um 20:00 Uhr Ladenschluss zu haben. Außerdem respektieren sie, dass Menschen Fehler machen und weisen das Personal höflich und respektvoll auf diese hin.

Respektlos

Dann wiederum gibt es die Sorte Mensch, die die Mitarbeiter schon während des Einkaufs eine halbe Stunde für sich beansprucht und pausenlos auf ihre Inkompetenz aufmerksam macht. Diese Leute machen sich gerne über Fehler des Kassierers lustig oder gehen sogar soweit und beleidigen ihn deswegen – nur, weil ihm gerade danach ist.

Liebe Supermarkt-Kunden, es ist verständlich, dass Sie einmal keinen guten Tag haben, spät dran sind und genervt sind, weil der Kassierer vergessen hat, Ihnen Prozente auf ein Produkt zu geben, dennoch kann es nicht allzu schwer sein, selbst in solchen Situationen respektvoll mit den Menschen umzugehen.

Der Alltag

Was zu Beginn vielleicht noch amüsant zu sein scheint, wird mit der Zeit einfach nur nervig und unangenehm. Keine Ahnung, ob ich als 18-jähriges, blondes Mädchen einfach nur die besten Voraussetzungen für ein „Opfer“ habe oder es vielleicht sogar allen Kassierern so geht – man ist bei der Arbeit, meiner Meinung nach, viel zu oft schlechten und unangenehmen Anmachversuchen ausgesetzt.

Denken diese Leute tatsächlich, dass ich, während ich 15 Kunden abzukassieren haben, mir Zeit für sie nehme, um ihnen meine Handynummer in ihr Smartphone zu tippen? Denken diese Menschen wirklich, dass ich, während ich eine Palette mit Lebensmitteln in die Regale einzufüllen habe, Zeit hätte, mich von einem Mitte 50-Jährigen in ein Gespräch über mein Aussehen verwickeln zu lassen?

Stress und Hektik

Es gibt sicherlich – vor allem intellektuell gesehen – anspruchsvollere Jobs, dennoch ist es schade, dass der Beruf als Kassierer/in immer noch so einen schlechten Ruf hat. Für Viele ist der Job an der Kasse eine Tätigkeit für Menschen, die nicht oder weniger gebildet, faul oder dumm sind. Dabei wissen einige Menschen gar nicht, was hinter diesem Job steht. Es ist zunächst schwer, sich teilweise bis zu 80 Nummern für jede einzelne Obst- und Gemüsesorte im Handel zu merken und diese auch in Stresssituationen noch auswendig zu können.

Die Kasse hat so viele kleine Funktionen, die man sich nur über Wochen hinweg aneignen kann (Umtausch, Prozente,..) und auch im hektischen Alltag kennen muss. Die Kunden haben es eilig, es muss immer schnell gehen, der Kunde findet seine Kundenkarte nicht, er übergibt einem zum Bezahlen gefühlt fünfzig Münzen – dabei muss man immer freundlich bleiben und auf die Witze der Kunden eingehen, wenn möglich noch  Smalltalk mit ihnen machen.

Fazit

Der Job als Kassiererin ist stressig, anstrengend und kräftezehrend. Gleichzeitig gibt es kein schöneres Gefühl, als ein ehrliches, wertschätzendes Kompliment oder ein Lächeln von einem Kunden geschenkt zu bekommen. Die Zeit im Supermarkt hat mich durch harte Arbeit und schwierige Kunden gestärkt und mein Selbstbewusstsein erweitert, weil mich dankbare, respektvolle Menschen in meiner Arbeit bestätigt und motiviert haben.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar auf Facebook. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@ansbachplus.de

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