Ansbach Plus | 17. August 2017 AN + | 17.08.2017

Wer steckt hinter den hölzernen Kunstfiguren?

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Thomas Fitzthum vor seiner "Gallerie Museum Aum". Foto: Larissa Noack

Thomas Fitzthum vor seiner „Gallerie Museum Aum“. Foto: Larissa Noack

Kunst oder Abfall?

Die einen bezeichnen es als Kunst, die anderen als Gartenabfall, der schnellstens entsorgt werden sollte. Die hölzernen Kunstfiguren entlang der Karpfenstraße in Ansbach sorgen immer wieder für Diskussionen und Gesprächsbedarf.

„Was soll das darstellen?“ – „Von wem ist das überhaupt?“ – „Das ist doch alles schon zerfallen!“
Wir haben uns mal umgehört und den Künstler der Holzfiguren ausfindig gemacht, um mehr über seine Arbeit und seine Person zu erfahren.

Die hölzerne Kunstfiguren in der Karpfenstraße. Foto: Larissa Noack

Die hölzerne Kunstfiguren in der Karpfenstraße. Foto: Larissa Noack

Thomas Fitzthum ist derjenige, der hinter Alldem steckt. Als wir ihn in seiner Gallerie „Gallerie Museum Aum“ gleich bei der Karpfenstraße antrafen, dauerte es keine 10 Sekunden, bis er uns hereinbat und einen Tee anbot.

Leidenschaft

Im Gespräch erfuhren wir, dass Thomas eigentlich gelernter Krankenpfleger ist, sich aber letztendlich eher zur Kunst und Musik hingezogen fühlt. Nach einiger Zeit musste er feststellen, dass er als Liedermacher nicht genügend Leute erreicht, was im Endeffekt der Grund für ihn war, sich vollkommen auf die Kunst zu konzentrieren.

Anfänge

Vor gut 30 Jahren nahm die „Holz-Geschichte“ ihren Lauf. Der Autodidakt kombinierte verschiedene Wurzelteile miteinander, weshalb er lange Zeit als „Wurzelsepp“ verschrien war. Auch wenn ihm das persönlich nicht gefallen hat, hörte er mit seiner Kunst nicht auf. Seine Gallerie erweiterte er von Tag zu Tag, wodurch sich eine beträchtliche Summe von kleinen und größeren Skulpturen und Figuren angesammelt hat.

Doch warum macht er das?

In der "Gallerie Museum Aum". Foto: Larissa Noack

In der „Gallerie Museum Aum“. Foto: Larissa Noack

Gott ist überall

Hinter all dem steckt nichts anderes, als der Glaube an Gott. Da er ein tief im christlichen Glauben verankerter Mensch ist, glaubt er daran, dass der Schöpfer durchaus sichtbar in der Schöpfung ist und sich nicht versteckt. Er erwähnte in diesem Zusammenhang das Thomas-Evangelium, in dem es eine Stelle gibt, die besagt: „Hebt einen Stein oder spaltet ein Holz und ihr werdet mich sehen.“

Kein Verständnis

Aus diesem Grund hat er „ins Holz reingeschaut“. Er spaltet es und sieht, dass dort wirklich etwas drinnen ist, dass das Holz lebt und somit auch der Geist überall wirkt.
Thomas ist damit nicht bei jedem auf Verständnis gestoßen, doch trotzdem hat er sich von seinem Weg nie abbringen lassen. Auf unsere Frage, warum manche Figuren schon ziemlich in die Jahre gekommen, marode und zerfallen sind, antwortet er: „Das gehört so, es muss ja zerfallen und es muss ja Biosphäre geben. Dem ganzen Verfall darf man nicht entgegenwirken, weil es so gewollt ist.“

Plastikstühle

Doch entlang der Karpfenstraße findet man nicht nur die hölzernen Figuren, sondern neben einigen Steinskulpturen auch sieben alte Plastikstühle, die den Anschein machen, wahllos zusammengestellt worden zu sein.

Auch die Plastikstühle sind Kunst von Thomas. Foto: Larissa Noack

Auch die Plastikstühle sind Kunst von Thomas. Foto: Larissa Noack

„Sie sollen die Klimakonferenz darstellen, die Metallbögen oben drüber symbolisieren die verwunderte, kaputte Weltkugel.“ Der Künstler erklärt damit, was mit der Welt geschieht und das sie sich definitiv durch den Klimawandel verändert. „Aber das will keiner wissen, weil man sonst konsequent sein Leben verändern muss.“ , so der 58-Jährige.

Das war übrigens eine Auftragsarbeit seiner Nachbarin. Sie war genervt davon, dass Fremde ihre Autos einfach auf dem kleinen Wiesenstück abstellten und bat den Künstler darum, das zu verhindern.

„Die Junge Kunstschule“

Doch richtiges Geld verdient Thomas damit nicht. „Ich mache viele Projekte und Bastelgeschichten“, sagt Thomas. Sein Arbeitsplatz ist „Die Junge Kunstschule“ in Ansbach. Dort arbeitet der Künstler mit vielen jungen Menschen, bastelt und gestaltet neue Kunst.
Auch am letzten Wochenende war er im Zusammenhang mit den Projekttagen der „Jungen Kunstschule“ tätig, bei denen er in seinem Kurs „Upcycled“ mit Kindern aus verschiedensten Materialien Instrumente gebaut hat.

Liebevolle Kleinstarbeit. Foto: Larissa Noack

Liebevolle Kleinstarbeit. Foto: Larissa Noack

Der Künstler stellt nicht nur entlang der Karpfenstraße seine Kunst aus, sondern auch in zwei Schaufenstern in Ansbach. Und auch wenn Geschmäcker verschieden sind und man darüber streiten kann, was Kunst ist, muss man ganz klar sagen, dass Thomas Fitzthum ein faszinierender, kreativer Mensch ist, dem man mit Sicherheit nicht vorwerfen kann, er würde sich bei seiner Kunst keine Gedanken machen.

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