Ansbach Plus | 23. April 2017 AN + | 23.04.2017

ANregiomed fordert konstruktives Mitarbeiten

Haushaltsrede des stv. Landrats Stefan Horndasch

Der Kreistag des Landkreises Ansbach hat einen Redkordhaushalt mit einem Volumen von über 225 Millionen € verabschiedet. In seiner Haushaltsrede für die CSU-Kreistagsfraktion ging Fraktionsvorsitzender und stv. Landrat Stefan Horndasch auch auf die derzeitige Entwicklung bei ANregiomed ein:

Stellvertretender Landrat Stefan Horndasch. Foto:privat

„Mehr als Sorgenfalten bereitet uns alle sicherlich die aktuelle Entwicklung bei ANregiomed. Dabei sind es nicht allein die Baukostenzuschüsse für den Neubau am Klinikum Ansbach, die wir für ANregiomed  2016 mit 4.251.300 € und 2017 mit 3.340.850 € eingeplant haben, auch wenn dies ein klares Signal des Landkreises zu ANregiomed ist.

Der laufende Betrieb bereitet doch erhebliche Probleme. Dabei war ich mir immer bewusst, dass dieser Weg kein einfacher sein wird. Ich erinnere mich an meine Aussage vor zwei Jahren im Kreistag bei den Haushaltsberatungen, wo ich gesagt habe, „dass uns die Herausforderungen in diesem Bereich noch zu Veränderungen fordern werden, die wir uns heute noch nicht vorstellen können.“

Entscheidend für die politische Begleitung muss eine kontinuierliche Arbeit sein, die auch langfristig angelegt ist. Es ist sicherlich einfacher, punktuell in der Öffentlichkeit aufzutreten, um den jeweiligen Strömungen gerecht zu werden, als klar zu definieren, welche Lösungsansätze letztendlich auch tatsächlich erfolgsorientiert zum Ziel führen.

Dabei geht es weder um ein Schlechtreden, noch um ein Schönreden der jeweiligen Situation, es geht schlicht um sachliche und inhaltliche Arbeit im konstruktiven Miteinander.

Dabei gibt es auch keine Patentrezepte und wir dürfen von niemandem erwarten, dass er innerhalb weniger Wochen die Probleme “wegzaubern“ kann.

Externe Unterstützung notwendig

Wir brauchen in der derzeitigen Situation jedoch externe Unterstützung, weil das Gegensteuern im vergangenen Jahr nicht funktioniert hat. Anders ausgedrückt, wenn man merkt, dass die Einnahmenseite zurückgeht muss auch auf der Ausgabenseite reagiert werden.

Ich hatte mehrfach bereits nach dem Halbjahresergebnis gefordert, dass zusätzliches Wissen und Handlungsfähigkeit von außen ins Unternehmen kommen muss, leider vergeblich. Noch im Dezember 2016 wurde ein diesbezüglicher Antrag von mir umfänglich abgelehnt.

In den Jahren zuvor hat das Gegensteuern noch funktioniert. Auch in den Jahren vor 2016 zeichnete sich ab, dass es in der Umsetzung des Wirtschaftsplans Probleme gibt. Und hier sieht man auch die Ursache für das Ergebnis 2016. Da waren die Wirtschaftspläne auch damals schon sportlicher ausgelegt. Das EBITDA-Ergebnis wurde übrigens von 2013 mit 11 Mio. €, in den Jahren 2014 mit -2,9 Mio. € und 2015 mit -1,8 Mio. € heruntergefahren. Der Wirtschaftsplan 2016  sah bereits ein positives Ergebnis mit 953.000 € vor, nur sind wir aktuell bei über – 9,7 Mio. € gelandet

Die neue Notaufnahme – Foto: ANregiomed

Rahmenbedingungen machen es nicht leichter

Für 2017 wird die Problemlage nicht einfacher. Die Kostenschere geht weiter auf. Die Personalkosten werden eine Steigerung zwischen 3 und 4 % erreichen, während eine normale Steigerung auf der Erlösseite nur mit ca. 1,2 % zu erwarten ist.

Von daher müssen schon alle überlegen, welche den Wachstumskurs, den wir eingeschlagen hatten, in Grund und Boden verdammen. Es ging dabei um nichts anderes, als neue Geschäftsfelder zu erschließen, für welche eine Marktanalyse eine günstige Steigerung der Marktabdeckung vermittelt hatte. Zugleich wollten wir der Bevölkerung ein höherwertiges Versorgungsangebot vorhalten.

Dabei kann sicherlich im Einzelnen diskutiert werden, was wie in der Umsetzung erfolgt ist. Gerade im Hinblick auf Mindestbesetzungen ist ein reines Sparmodell auch nicht umsetzbar. Wir sind aber weiterhin gehalten, so viele Einnahmen zu erlösen, dass die Ausgaben gedeckt werden können.

Dabei ist auch zu beachten, dass nicht alle Behandlungen gleichermaßen einen Beitrag zu einem positiven Wirtschaftsergebnis erbringen. Die Behandlung von weniger schweren Fällen, wie jetzt über den Jahreswechsel, führt zwar dazu, dass die Häuser hohe Fallzahlen haben. Das muss sich aber nicht in gleicher Weise auf das Betriebsergebnis auswirken.

Klare Führungsstruktur notwendig

Nachdem das Jahr 2016 das hohe Defizit von 15 Millionen € erbracht hat und ich derzeit keine ausreichenden Ansätze sehe, das Ruder massiv herum zu reißen, ist der Weg der Geschäftsbesorgung in dieser Phase der richtige und notwendige. Es ist genauso richtig und notwendig, dies sehr zügig umzusetzen.

Wir brauchen rasch eine klare Führungsstruktur im Haus. Diese werden wir nicht erreichen, wenn wir jetzt eine längere Interimsphase haben.

Nachdem es ja bereits von anderer Seite öffentlich bekannt gemacht wurde, mache ich auch keinen Hehl daraus, dass ich im Zusammenhang mit der Abberufung des Vorstands Anfang Januar die unmittelbare Beauftragung von Economedics gefordert habe. Auch wenn wir uns jetzt für ein schnelleres Verfahren entschieden haben, sieht man, dass auch dies seine Zeit braucht. Wer aber glaubt, dass wir eine europaweite Ausschreibung, bei der es gleichermaßen einige Stolpersteine gibt, ohne Probleme abwarten können, muss sagen, was in dieser Zeit passiert. Wir wollen und dürfen nicht hinnehmen, dass Monat für Monat ein Defizit von über 1 Mio. € eingefahren wird, wobei davon auszugehen ist, dass eine europaweite Ausschreibung eine nicht unerhebliche Zeit in Anspruch nehmen würde.

Daher an dieser Stelle das bewusste Risiko, den schnelleren Weg zu beschreiten, wenn er auch nicht ohne Fallstricke ist.

Im Hinblick auf einen frei-gemeinnützigen Träger steht einer Geschäftsbesorgung und einer Fusion nach unserer Erkenntnis das Kartellrecht eindeutig entgegen. Zur Vermeidung von Legendenbildungen bitte ich alle, die dies nicht so sehen, eine gegenteilige definitive Klärung durch die Kartellbehörde herbeizuführen.

Ich halte Sana auch nicht für die erste Wahl, aber im Sinne des Unternehmens muss es zu Entscheidungen kommen. Das erfordert vom einzelnen auch Kompromisse, die man eingehen muss.

Wenn jeder nur noch sein engstes Umfeld sieht –und das meine ich nicht nur örtlich- und ANregiomed als Gesamtes nicht interessiert, wird dieses Kirchturmdenken die Entwicklung des Hauses sprengen. Miteinander statt Gegeneinander ist angesagt.

 

Bei allen Entscheidungen, die nun kommen, dürfen wir nicht nur in Schwarz oder Weiß denken, sondern müssen Perspektiven und Risiken sauber abwägen.“

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