Ansbach Plus | 24. August 2017 AN + | 24.08.2017

Dr. Carsten Kopschina: „Auf Anschläge sind wir vorbereitet“

avatar
  • Am 21. Januar 2017

Die Gefahr terroristischer Gewaltakte ist konkret

NEUENDETTELSAU. Dr. Carsten Kopschina koordiniert in der Clinic Neuendettelsau die Hilfe für Schwerverletzte
Neuendettelsau – Die Gefahr terroristischer Gewaltakte ist konkret.

Dr. med. Carsten Kopschina sorgt dafür, dass die Clinic Neuendettelsau auch auf Szenarien wie Terroranschläge vorbereitet ist. Foto: Stefanie Stärk-Schanzel

Dr. med. Carsten Kopschina sorgt dafür, dass die Clinic Neuendettelsau auch auf Szenarien wie Terroranschläge vorbereitet ist.
Foto: Stefanie Stärk-Schanzel

„Auf Anschläge wie in Berlin oder Ansbach sind wir vorbereitet“

Erst vor wenigen Wochen traf es Berlin. Im Sommer passierte es in Ansbach: Ein Selbstmordattentäter sprengte sich mitten in der Stadt in die Luft.

Training für den Ernstfall

Seither ist klar: Überall und jederzeit kann ein Attentat passieren. Krankenhäuser und Ärzte in der Region bereiten sich auf diesen Ernstfall vor.

„Wir müssen uns auf solche Situationen vorbereiten“

Carsten Kopschina, Notfallmediziner und Oberarzt an der Clinic Neuendettelsau, ist einer von Ihnen. Immer wieder spielt er Szenarien wie die in Ansbach gedanklich und praktisch durch.

„Wir müssen uns auf solche Situationen vorbereiten“, sagt der promovierte Arzt. „Über kurz oder lang war es keine Frage, ob etwas passieren würde, sondern nur wann.“ Kopschina weiß, was dann zu tun ist.

Ort der Trauer in Berlin - der Breitscheidplatz. Foto: Pascal Höfig

Ort der Trauer in Berlin – der Breitscheidplatz. Foto: Pascal Höfig

„Mit strukturierter Versorgung in den Kliniken des Traumanetzwerkes Mittelfranken und Rettungsdienstmitarbeitern, welche auf die Versorgung der besonderen Verletzungsmuster eines Terroranschlages geschult wurden, diesen Ereignissen begegnen.“

Jahrelange Erfahrung

Kopschina hat jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet der Notfallversorgung: Nicht nur als Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie; als Notarzt bei den Johannitern oder als Zug- und Gruppenführer beim Katastrophenschutz in Nürnberg.

Vor allem spielt er den Ernstfall immer wieder als Reserveoffizier im Sanitätsdienst durch. Bei der Bundeswehr hat er Ausbildungen in Trauma-Management gehalten.

Einsatzkräfte in Ansbach: Foto Schweiger

Der Anschlag in Ansbach. Einsatzkräfte im Einsatz: Foto Schweiger

Inzwischen qualifiziert er Mitarbeiter aus den Rettungsdiensten sowie von Sicherheitsbehörden besonders für Einsätze im Gefahrenbereich.

Dabei zeigt er ihnen, wie sie Verletzte im Gefechtsfall oder in „zivilen“ Situationen am besten versorgen können.

Extremes Stressniveau

In solchen Situationen steigt das Stressniveau für die Helfer immens, da es nur ein kurzes Zeitfenster für effektive Hilfe gebe, betont Kopschina. Außerdem wären Zweit-Anschläge denkbar, die gezielt die Helfenden treffen sollen.

Allein der Gedanke daran würde extremen Stress bei den Rettungskräften auslösen. Um solche Situationen zu üben, absolviere man im Rahmen der Ausbildung deshalb zunächst körperlich belastende sportliche Einheiten und würde noch im gleichen Atemzug die medizinische Versorgung durchspielen. „Das ist extrem anstrengend“, weiß Kopschina.

Techniken aus militärischer Erfahrung

Viele Techniken der Notfallversorgung hätten sich aus militärischen Erfahrungen entwickelt, sagt Kopschina. Zum Beispiel wurde früher gelehrt, „Binde ein stark blutendes Bein oder Arm nicht ab, dies schädigt den Patienten“.

Heute wüsste man dagegen aus den Erfahrungen im Krieg, dass „einfach weniger Verletzte sterben, wenn man es doch tut“, erläutert der Mediziner.

Kurse zur taktischen Notfallversorgung

All das – ob schnelle Versorgungstechniken im Notfall oder eine bessere Belastbarkeit – müsse man auch in einem regionalen Krankenhaus üben.

In der Clinic Neuendettelsau koordiniert Kopschina deshalb die Versorgung von Schwerverletzten und die Schulung der Mitarbeiter der Notaufnahme.

Entsprechend gefragt sind derzeit auch die Kurse zur taktischen Notfallversorgung (TECC – Tactical Emergency Casualty Care) im In- und Ausland. Kopschina leistet auch hier Aufbauhilfe, zurzeit bei den Kollegen in der Schweiz.

Artikel beruht auf einer Mitteilung der Diakonie Neuendettelsau.

Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige