Ansbach Plus | 20. August 2017 AN + | 20.08.2017

Beschluss: Cannabis als Medizin freigegeben

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  • Am 19. Januar 2017

Cannabis als Medizin

BERLIN.  Die Koalition im Bundestag hat heute einstimmig einen Gesetzentwurf verabschiedet, der den Zugang für Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen zu Cannabis künftig erlaubt, wenn bestimmte Vorraussetzungen gegeben sind. Cannabisarzneimittel können so künftig auf ärztliche Verschreibung in Apotheken erhalten werden. Auch die Erstattungsfähigkeit durch die Krankenversicherung ist möglich.

Therapiealternative für schwerkranke Menschen

Die Freigabe von Cannabisarzneimittel ist ein wichtiger Schritt, schwerkranken Menschen eine Therapiealternative zu bieten. Bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. bei einer Krebsbehandlung mit Chemotherapie kann Cannabis zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden. Auch bei chronischen Leiden kann Cannabis eine positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf haben.

Patientinnen und Patienten wird es künftig wesentlich einfacher möglich sein, Cannabisarzneimittel auf ärztliche Verschreibung in Apotheken zu erhalten. Bislang ging das nur mit einer Ausnahmeerlaubnis und sehr hohen Kosten für den Patienten.

Insgesamt 1.020 Patientinnen und Patienten verfügen derzeit über eine gültige Ausnahmeerlaubnis nach § 3 Absatz 2 BtMG zum Erwerb von Cannabis zur Anwendung im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie (Stand 02.01.2017).

Cannabis-Pflanze. –Symbolbild: Zoll

Cannabis-Pflanze. –Symbolbild: Zoll

Auf Rezept

Mit Änderungen im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) soll die Erstattungsfähigkeit von Arzneimitteln auf Cannabisbasis in der gesetzlichen Krankenversicherung erweitert werden, die bislang grundsätzlich auf zugelassene Fertigarzneimittel im jeweils zugelassenen Anwendungsgebiet begrenzt war.

Insbesondere wird eine Erstattungsmöglichkeit von Cannabis in Form getrockneter Blüten für schwerkranke Menschen geschaffen, deren Leiden auf anderem Weg nicht gemildert oder behandelt werden können.

Joint - Symbolbild: Pascal Höfig

Joint – Symbolbild: Pascal Höfig

Um weitere Erkenntnisse über die Wirkung von Cannabis zu gewinnen, wird die Erstattung mit einer Begleiterhebung verbunden. Dazu übermitteln Ärzte und Ärztinnen ohnehin vorliegende Daten – zum Beispiel zur Diagnose, Therapie, Dosis und Nebenwirkungen – anonymisiert an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukten (BfArM). Mit der Erhebung sollen auch Informationen zum langfristigen Gebrauch von Cannabis zu medizinischen Zwecken gesammelt werden.

„Cannabisagentur“ – Staatlich überwachter Anbau

Künftig soll in Deutschland zudem ein staatlich überwachter Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken erfolgen können, um die Versorgung mit Cannabisarzneimitteln in kontrollierter Qualität zu ermöglichen.

Die damit verbundenen Aufgaben werden – unter Beachtung der völkerrechtlich bindenden Vorgaben des Einheits-Übereinkommens der Vereinten Nationen von 1961 über Suchtstoffe – dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) übertragen werden (staatliche „Cannabisagentur“).

Bis durch die Cannabisagentur ein staatlich kontrollierter Anbau in Deutschland umgesetzt werden kann, soll die Versorgung mit Medizinalcannabis über Importe gedeckt werden.

Was sind Cannabisarzneimittel?

Als Cannabisarzneimittel werden insbesondere bezeichnet

  • Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und
  • Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon.

Der Entwurf eines Gesetzes zur Änderung betäubungsrechtlicher und anderer Vorschriften sieht vor, dass Patientinnen und Patienten Cannabisarzneimittel auf ärztliche Verschreibung in Apotheken erhalten können.

In welchen Fällen können Cannabisarzneimittel künftig von der Krankenkasse bezahlt werden?

Damit die Krankenversicherung die Kosten für Cannabisarzneimittel übernimmt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es muss sich um eine schwerwiegende Erkrankung handeln.
  • Es gibt keine Alternative zur Behandlung mit Cannabisarzneimitteln.
  • Es besteht die Aussicht auf eine spürbare positive Beeinflussung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome.
  • Die Patientin oder der Patient nimmt an einer anonymisierten Begleitforschung teil. Damit sind keine über die Therapie hinausgehenden Untersuchungen oder Interventionen verbunden.

In welchen Fällen kann eine Behandlung mit Cannabisarzneimitteln sinnvoll sein?

Cannabisarzneimittel sollen als Therapie bei schwerwiegend Erkrankten dann verschrieben werden können, wenn keine Therapiealternative besteht.

Zum Beispiel in der Schmerztherapie bei chronischen Erkrankungen, oder wenn im Verlauf einer Krebsbehandlung mit Chemotherapie schwere Appetitlosigkeit und Übelkeit auftreten, können Cannabisarzneimittel sinnvoll zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.

Dieser Artikel beruht auf einer Meldungen des Bundesministerium für Gesundheit

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