Ansbach Plus | 16. August 2017 AN + | 16.08.2017

Horst Settler über Nachwuchssorgen bei der Ansbacher Feuerwehr

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Horst Settler über seine Erlebnisse beim Amoklauf am Carolinum

Wenn es in Ansbach brennt, sind in Ansbach 120 Frauen und Männer der Feuerwehr Ansbach Tag und Nacht einsatzbereit. Einer von ihnen ist Horst Settler, erster Kommandant und Stadtbrandrat. Im Interview spricht er über Einsätze, die ihn auch Jahre später nicht loslassen, und die Nachwuchssorgen der freiwilligen Feuerwehren.

Horst Settler – Foto: Franziska Roos

Ansbach Plus: Herr Settler, die Ansbacher Feuerwehr besteht neben elf Hauptberuflichen aus 109 freiwilligen Mitgliedern. Wie steht es denn bei Ihnen um den Nachwuchs?

Horst Settler: Heutzutage müssen wir leider mehr um Mitglieder kämpfen als früher. Kaum haben wir jemanden gut eingelernt, geht er wieder. Das Problem ist besonders die Beständigkeit, wir brauchen Leute, die langfristig mitmachen.

A+: Wie viele Stunden muss man als Freiwilliger bei der Feuerwehr einplanen? 

Horst Settler: Die Grundausbildung nimmt zwischen 100 bis 150 Stunden in Anspruch. Jugendliche dürfen bei uns ab zwölf Jahren mitmachen. Ab 16 Jahren dürfen die Freiwilligen auf bestimmte Einsätze mitfahren. Ich selbst bin als Kommandant bis zu 20 Stunden in der Woche für die Feuerwehr tätig, dafür benötigt man natürlich auch einen sehr verständnisvollen Partner und Familie. Denn wenn der Wecker nachts für einen Einsatz klingelt, machen die dann meist auch kein Auge zu.

A+: Sie waren auch beim Terroranschlag im Sommer 2016 als einer der ersten vor Ort. Wie gehen Sie mit solchen besonderen Einsätzen um?

Horst Settler: Solche Einsätze bleiben einem natürlich im Gedächtnis. Im eigentlichen Moment denkt man gar nicht genau darüber nach, was passiert ist, man funktioniert einfach. Erst Tage danach wird einem klar, was genau eigentlich vorgefallen ist. Persönlich getroffen hat mich vor allem der Amoklauf am Carolinum Gymnasium 2009. Ich habe die schwerverletzten Kinder gesehen, das hat mich persönlich sehr gefordert, auch die Tatsache, dass der Täter die Schüler mit Molotow-Cocktails herausgetrieben hat, um dann mit einer Axt in die Menge zu schlagen. Die Ansbacher Feuerwehr bietet für die Mitglieder auch immer psychologische Hilfe an, um solche Einsätze besser zu verarbeiten.

A+: In Ihrem eigentlichen Job beim Amt für Brand- und Katastrophenschutz Ansbach kämpfen Sie ja quasi schon gegen das Feuer. Warum dann noch 20 Stunden extra die Woche als Freiwilliger bei der Feuerwehr?

Horst Settler: Die freiwillige Tätigkeit hat einen guten Grund. Nämlich das Helfen anderer Menschen. Letztendlich reizt mich die Mischung. Die Herausforderung immer wieder neue Situationen zu lösen, der Adrenalin-Kick bei einem Einsatz und vor allem das Team gefallen mir. Ich habe bei der Ansbacher Feuerwehr Freunde für’s Leben gefunden, auf die ich mich immer verlassen kann. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich.

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