Ansbach Plus | 18. August 2017 AN + | 18.08.2017

Michael Jakob: Kein Poetry Slam mehr für Ansbach?

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 „Ich mag Gefühlsachterbahnen mit Weinen und Lachen“

Ob lustig, gesellschaftskritisch oder poetisch, Poetry Slam ist nicht mehr nur in Großstädten zu Hause, sondern hat sich mittlerweile auch gut in Ansbach etabliert und wurde jetzt sogar zum deutschen Kulturerbe erklärt. Michael Jakob, viel mehr bekannt als Michl, brachte den Poetry Slam 2003 nach Ansbach und moderiert einmal im Monat in der Kammer das Event. Im Interview spricht der 37-Jährige über seine bunten Anzüge und die Zunkunft des Poetry Slams in Ansbach.

Michael Jakob – Foto: Valentin Olpp

Ansbach Plus: Michl, Du hast BWL studiert, wie bist Du zum Poetry Slam gekommen?

Michl: Ich habe schon während meines Studiums eine Fortbildung zum Theaterpädagogen gemacht. Ich war immer kulturinterresiert, letztendlich habe ich auch nie in der BWL-Branche gearbeitet, sondern bin im Comedybereich als Kabarettist gelandet. 2002 bin ich dann zum Poetry Slam gekommen.

A+: Von 2003 bis 2011 warst Du selbst als Slammer aktiv und hast zu den erfolgreichsten Poetry Slammern Deutschlands gehört. Wie kam es zum Rückzug?

Michl: Ja, das stimmt. Ich war zweimal in Folge fränkischer Poetry Slam Meister,gewann unter anderem die Dichterschlacht Darmstadt (größter europäischer Poetry Slam) und den WDR Poetry Slam. Damals bin ich durch ganz Deutschland gefahren. Meinen zwei Kindern zuliebe möchte ich das jedoch nicht mehr machen.

A+: Was machst Du jetzt stattdessen?

Michl: Ich bin ja nicht nur für den Ansbacher Poetry Slam zuständig, insgesamt veranstalte ich an 26 Orten Poetry Slams. Des Weiteren bin ich Dozent, habe Auftritte in Unternehmen, schreibt immer noch Bühnentexte für Soloprogramme und dann gibt es ja noch meine Lesebühne in Nürnberg und Fürth und meine Bücher. Da kommt schon eine 70 Stundenwoche zusammen. Wenn ich dann mal Freizeit habe, gärtnere ich oder gehe joggen.

A+: Was macht für Dich einen guten Slam aus?

Michl: Ich finde die Mischung macht es aus, ich mag Gefühlsachterbahnen mit Weinen und Lachen. Natürlich spielt auch das Publikum, das lacht oder schweigt, eine große Rolle.

A+: Deine ausgefallen und bunten Anzüge sind Dein Markenzeichen auf der Bühne, wo gibt es die denn zu kaufen?

Michl: Die habe ich alle aus dem Internet, die Anzüge wechsle ich immer durch. Insgesamt habe ich 44 oder 45 Stück.

A+: Du hast den Poetry Slam 2003 nach Ansbach gebracht. Wie hat sich die monatliche Veranstaltung entwickelt?

Michl: Wir haben mit 60 Zuschauern angefangen, heute sind es 220. Die Entwicklung war sehr zufriedenstellend, allerdings mit Schwankungen. Seit das G8 des Gymnasiums eingeführt wurde, haben wir etwas weniger Zulauf, da die Schüler jünger zum Studieren abwandern. Dafür ist das Interesse bei den Stundeten gestiegen. Im Laufe der Zeit hat sich Ansbach zu meinem persönlichen Lieblingspoetry-Slam entwickelt, die Atmosphäre in dem Saal ist einfach genial.

A+: Wie geht es in Zukunft mit dem Ansbacher Poetry Slam weiter?

Michl: Ich hoffe natürlich, dass das Interesse der Ansbacher weiterhin bestehen bleibt. Ich selbst möchte ich mich aber in etwa fünf Jahren aus der Poetry-Slam-Szene zurückziehen, da ich mehr Zeit für meine Familie und mich brauche. Ich hoffe natürlich, dass sich in Ansbach ein Nachfolger für mich findet, der dann das Event organisiert und fortführt.

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