Ansbach Plus | 17. August 2017 AN + | 17.08.2017

Digitalisierung an Hochschulen bedroht

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Keine digitalen Texte mehr

Nach aktuellem Stand werden die meisten Hochschulen ihren Studierenden ab Januar 2017 keine Texte mehr in digitaler Form zur Verfügung stellen können. Hintergrund ist der neue Rahmenvertrag zur Nutzung urheberrechtlich geschützter Materialien in der digitalen Lehre, der zwischen Bund, Verwertungsgesellschaft (VG) Wort und Kultusministerkonferenz (KMK) Anfang Oktober geschlossen wurde. Laut diesem müssten die Hochschulen jeden Textausschnitt, den sie für eine Lehrveranstaltung Online bereitstellen, der VG Wort melden und einzeln abrechnen. Bisher wurde stets pauschal abgerechnet.

Schon bald könnte es wegen des neuen VG-Vertrags keine Online-Lernmittel der Hochschulen mehr geben – Foto: Pascal Höfig

Studenten als Leidtragende

Die bayerischen Hochschulen haben einen Beitritt zu diesem Vertrag allerdings abgelehnt, da sie darin einen unzumutbaren und nicht zu bewältigenden bürokratischen Arbeitsaufwand für Ihre Mitarbeiter sehen, und fordern stattdessen Neuverhandlungen. „Die Leidtragenden sind in erster Linie die Studierenden. Falls keine Einigung gefunden werden kann, müssen diese in Zukunft wieder den Gang zum Kopierer antreten“, so der Landtagsabgeordnete und wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Georg Rosenthal.

Hoffen auf Neuverhandlungen

Der ehemalige Würzburger Oberbürgermeister sieht den Prozess der Digitalisierung an den Hochschulen bundesweit gefährdet und hat daher einen Antrag gestellt, in dem er den bayerischen Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle dazu auffordert im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst Stellung zur Kritik der bayerischen Hochschulen zu nehmen. Als Mitglied der KMK war Spaenle an der Ausarbeitung des neuen Rahmenvertrags mit beteiligt. Rosenthal hofft nun darauf, dass die Staatsregierung die Probleme, die sich aus dem neuen Vertrag ergeben, rechtzeitig erkennt und sich gegenüber der VG Wort für Neuverhandlungen ausspricht.

Erste Texte bereits gelöscht

Denn bereits jetzt können erste Folgen des neuen Rahmenvertrags beobachtet werden. Wie Studierende an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg berichten, werden an manchen Lehrstühlen bereits jetzt schon die, auf der uniinternen Online-Plattform Virtueller Campus (VC) zur Verfügung gestellten Texte mit Verweis auf eine verschärfte Rechtslage gelöscht. Bis weitere Universitäten nachziehen ist nur noch eine Frage der Zeit.

Hochschule Ansbach

Da auch die Hochschule Ansbach dem Rahmenvertrag der VG Wort nicht beitritt, wird die hochschulinterne eLearning Plattform „Ilias“ zum 22.12.2016 stillgelegt. Die FH ist sich mit anderen bayerischen Hochschulen und Universitäten darin einig, dass dieser Umstand nicht von Dauer sein kann. „Ilias“ wird zum Schutz der Lehrenden abgeschaltet.
Die Hochschulleitung informiert:

  • Bis zum 16.12.16 sind noch Uploads möglich, danach können bis zum 21.12.16 nur noch Unterlagen gedownloadet werden. Somit können die Studierenden ihre prüfungsrelevanten Unterlagen zeitnah abspeichern.
  • Am 22.12.16 erfolgt die komplette Abschaltung und Löschung aller vorhandenen Unterlagen.

 

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal.

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