Ansbach Plus | 19. August 2017 AN + | 19.08.2017

Freiwillig unter Raubtieren: Interview mit Yvonne Miksch

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Bundesfreiwilligendienst im Raubtierasyl Wallersdorf

Seit dem 1. September absolviert Yvonne Miksch einen Bundesfreiwilligendienst „Bufdi“ im einzigen Raubtier- und Exotenasyl Deutschlands. Wir haben uns mit der 18-Jährigen über ihre Arbeit mit Tigern, Puma & Co. unterhalten.

Yvonne Miksch vor dem Tigergehege - Foto: Sophie von Urbanowicz

Yvonne Miksch vor dem Tigergehege – Foto: Sophie von Urbanowicz

Ansbach Plus: Du bist jetzt seit gut drei Monaten im Raubtierasyl. Wie bist du darauf gekommen, hier einen Freiwilligendienst zu absolvieren?

Yvonne Miksch: Ich will unbedingt Tierpflegerin werden. Da die Ausbildungsplätze heiß begehrt und schwierig zu ergattern sind, nutze ich den Freiwilligendienst um Erfahrungen zu sammeln und die Zeit zu überbrücken. Die Arbeit hier ist quasi mein Sprungbrett. Ich komme nicht von hier, sondern bin extra für die Arbeit her gezogen. Seit Kurzem bin ich auch fertig ausgebildet und kann von nun an selbstständig Aufgaben übernehmen.

AN+: Wie gefällt dir die Arbeit?

Yvonne Miksch: Sehr gut. Klar gibt es Aufgaben, die man gerne macht und andere, die einfach erledigt werden müssen. Als Tierpfleger ist man den ganzen Tag damit beschäftigt, den Tieren hinter her zu räumen. Damit habe ich kein Problem. Arbeiten im Gehege, wie Reinigen und Putzen gehören nun mal dazu. Ehrlich gesagt finde ich das Putzen der Käfige sogar sehr entspannend. Als ich angefangen habe, war ich am Abend schon echt kaputt. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, aber man gewöhnt sich daran.

AN+: Hast du mittlerweile eine enge Beziehung zu den Tieren?

Yvonne Miksch: Zu manchen mehr, zu manchen weniger. Zu einem Frettchen kann zum Beispiel eine engere Verbindung entstehen als zu den Tigern. Die Frettchen können wir schon häufiger aus dem Käfig nehmen und streicheln. Das geht bei den großen Raubtieren natürlich nicht. Später würde ich gerne als Zootierpflegerin arbeiten, am Liebsten mit Elefanten, da entsteht schon eine engere Beziehung.

AN+: Hast du denn gar keine Angst vor den Tigern?

Yvonne Miksch: Nein. Wenn ich Angst vor den Tieren hätte, wäre ich hier Fehl am Platz. Respekt trifft es eher. Wir legen hier sehr großen Wert auf Sicherheit. Bei uns ist noch nie ein Tier ausgebrochen. Das wäre auch das Ende für den Tiger. Betäuben könnte man den nämlich nicht, das würde zu lange dauern und wäre zu gefährlich, da er in der Zeit Menschen angreifen könnte. Wenn ein Tiger ausbricht müsste er erschossen werden. Das wird bei uns aber nicht vorkommen. Wir kontrollieren in regelmäßigen Abständen die Gehege, sowohl für die Sicherheit der Menschen als auch der Tiere.

AN+: Wie läuft dein Arbeitstag im Normalfall ab?

Yvonne Misch: Mein Tag beginnt um 8:00 Uhr morgens. Wir kontrollieren als Erstes das Wohlbefinden der Tiere (Karakal, Puma, Rotfuchs, Polarfuchs), sehen nach, ob die Luken zu den Außengehegen verschlossen sind und reinigen diese dann bzw. kontrollieren, dass nichts beschädigt wurde. Danach sehen wir nach den Tieren im Wald (Bengalkater, Frettchen, Luchs) und sehen auch dort nach den Gehegen. Dann schauen wir nach den Rotgesichtsmakaken und den Hasen im Vorgarten. Als letztes kommen die Tiger an die Reihe. Dann lassen wir alle Tiere nach außen und reinigen die Innengehege. Nach der Pause bereiten wir dann das Fleisch für den Tag bzw. auch für den nächsten Tag vor. Am Nachmittag füttern wir dann nach einander alle Tiere, manchmal fallen zwischendurch noch Gartenarbeiten oder Ähnliches an.

AN+: Das Asyl erstreckt sich über ein Grundstück von 6.000 qm und soll nun verkauft werden. Ein Mal im Monat findet der „Tag der offenen Tür“ statt, bei dem Ihr Spenden sammelt, um das Grundstück selbst zu kaufen. Wie sieht die Lage derzeit aus?

Yvonne Miksch: Der Eigentümer gibt uns die Chance, das Grundstück innerhalb eines halben Jahres selbst zu kaufen. Es soll allerdings 600 000 Euro kosten und das ist für unseren Verein unerschwinglich. Öffentliche Fördergelder bekommen wir nicht, das Asyl lebt von Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern. Seit Oktober sammeln wir Spenden, um den Tigerwald zu retten. 50 000 Euro sind seitdem zusammen gekommen – eine ordentliche Summe, aber immer noch viel zu wenig.

 

Die Tiere im Raubtierasyl können nicht mehr ausgewildert werden, da sie zu sehr an die Nähe und Hilfe der Menschen gewöhnt sind. Die einzige Möglichkeit, die Zukunft der Raubtiere und Exoten zu sichern, ist zu spenden:

SPENDENKONTO

Raubtier- und Exotenasyl e.V.
Sparkasse Ansbach
IBAN: DE06765500000008188443
BIC: BYLADEM1ANS

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