Ansbach Plus | 17. August 2017 AN + | 17.08.2017

„Der Krieg hat mich in Ansbach wieder eingeholt“

avatar

Wie stehen die syrischen Flüchtlinge zum Anschlag?

Obaida Asfahany ist von seiner Heimat Syrien geflüchtet und lebt seit neun Monaten in Ansbach. Im Interview erzählt der 20-Jährige, wie die Reaktionen der Ansbacher nach dem Anschlag waren und welche Botschaft er an die Deutschen hat.

Obaida Asfahang und sein deutscher Freund Klaus Werner - Foto: Franziska Roos

Obaida Asfahany und sein deutscher Freund Klaus Werner – Foto: Franziska Roos

Ansbach Plus: „Der Attentäter von Ansbach war wie du ein Syrier. Was war dein erster Gedanke nach dem Anschlag?“

Obaida Asfahany: „Meine Mitbewohner und ich waren alle sehr geschockt, als wir erfahren haben, dass der Attentäter ein syrischer Flüchtling ist. Mein erster Gedanke war sofort, oh nein, die Deutschen werden jetzt böse auf mich reagieren. Ein anderer Flüchtlings hat mich dann versucht zu beruhigen. Er sagte zu mir, die Deutschen werden wissen, dass nicht alle Flüchtlinge so sind.“

A+: „Und hat sich das bewahrheitet?“

Obaida: „Ich muss jeden Tag alleine mit dem Bus zum Bahnhof fahren. Ich hatte Angst, dass ein Tag nach dem Anschlag die Toleranz der Deutschen weg ist und sie negativ auf mich reagieren. Aber es kam nichts. Alle haben sich ganz normal verhalten. Danach war ich beruhigt. Bis heute hatte ich nie eine schlechte Erfahrung mit Deutschen. Dafür bin ich sehr dankbar.“

A+: „Innerhalb einer Woche gab es in Deutschland drei Attentate von Flüchtlingen. Warum begehen ausgerechnet Asylbewerber solche Taten?“

Obaida: „Das kann ich nicht erklären. Ich kann nicht in die Köpfe dieser Menschen schauen und ich kann sie nicht verstehen. Ich kann nur sagen, dass es überall schlechte Menschen gibt, unabhängig von Nationalität und Religion.“

A+: „Macht es dich wütend, dass durch solche Flüchtlinge ein schlechtes Licht auf dich geworfen wird?“

Obaida: „Ja, natürlich macht mich das wütend. Ich musste insgesamt drei Fluchtversuche wagen und bin 3.000 Kilometer von meiner Heimat geflüchtet und habe meine Familie verlassen, um den Krieg hinter mir zu lassen. Doch jetzt hat er mich in Ansbach wieder eingeholt.“

In Facebook hat sich Obaida an die Ansbacher gewandt – Screenshot Facebook

A+: „Nach dem Anschlag hast du auf unserer Facebook-Seite in einem Kommentar den Anschlag verurteilt. Trotzdem haben viele Ansbacher noch Angst. Was möchtest du diesen Menschen sagen?“

Obaida: „Deutschland hat mich und viele andere Flüchtlinge aufgenommen, warum sollten wir den Deutschen etwas schlechtes wollen. Ich komme aus Syrien, ich weiß, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Ich will nicht, dass die Ansbacher vor mir Angst haben und ich hoffe weiterhin auf die Toleranz der Menschen. Mir ist bewusst, das ist nicht selbstverständlich. Irgendwann möchte ich die gute Tat der Deutschen an sie zurück geben.

A+: „Du hast schon deine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Wie geht es für dich in Ansbach weiter?“

Obaida: „Ich habe in Syrien zwei Semester Elektrotechnik studiert. Im Moment lerne ich jeden Tag Deutsch, um ein Sprachzertifikat zu bekommen, damit ich eine deutsche Hochschule besuchen kann. Da mein Asylantrag bewilligt wurde, muss ich nicht mehr im Flüchtlingsheim wohnen. Deswegen suche ich eine Wohnung. Als Flüchtling wird man leider doch öfter abgelehnt. Und natürlich hoffe ich, dass ich Deutschland in ein paar Jahren als meine Heimat sehe und ich nicht so oft Heimweh habe.“

Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige