Ansbach Plus | 16. August 2017 AN + | 16.08.2017

Deutliche Verschlechterung der Versorgungssicherheit durch Kooperation bei Herzkatheterbereitschaft

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Ein Gastbeitrag von Dr. Markus Bucka

Im folgenden Artikel äußert sich Dr. Markus Bucka zu der Kooperation der Kliniken Ansbach, Rothenburg und Neuendettelsau bei der Herzkathederbereitschaft. Er selbst ist Chefarzt beim Bayerischen Roten Kreuz Kreisverband Ansbach, Obmann der Notärzte Stadt Ansbach und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayens Ansbach und Umgebung. Zudem ist er noch Notarzt in Ansbach und am Intensivhubschrauber Christoph Nürnberg.

Dr. Markus Bucka - Quelle: Markus Bucka

Notarzt Dr. Markus Bucka im Intensivhubschrauber Christoph Nürnberg.   – Quelle: Markus Bucka

Verschlechterung der Versorgungssicherheit und -qualität

Die Änderung des Bereitschaftsdienstes der Herzkatheterlabore am Klinikum Ansbach, in Neuendettelsau und in Rothenburg führt zu einer deutlichen Verschlechterung der Versorgungssicherheit und -qualität der hier lebenden Menschen. Die weitergehenden Probleme, die sich aus diesen Änderungen ergeben werden, werden von den Klinik- und Abteilungsleitungen nicht erkannt bzw. wollen nicht erkannt werden.

Telemetrische Übertragung oft nutzlos

Die Hinweise auf eine frühzeitige telemetrische Übertragung von Patientendaten in die aufnehmende Klinik, die bei uns bisher im Übrigen nur teilweise funktioniert, erzeugt einzig für die Patienten Vorteile, die in der EKG-Aufzeichnung Zeichen für einen akuten Herzinfarkt zeigen (STEMI = st-segment elevation myocardial infarction = ST-Hebungsinfarkt); gibt es diese Infarktzeichen im EKG nicht (NSTEMI = non-…), was in vielen Fällen vorkommt, bringt auch eine telemetrische Übertragung nichts!

Verlegung in dienstbereites Herzkathederlabor kostet wertvolle Zeit

Ein Patient ohne frische Infarkthinweise im EKG wird in die nächste Klinik gefahren und dort untersucht; stellt sich dabei dann heraus, dass ein akuter Herzinfarkt vorliegt und eine Therapie mittels Herzkatheter notwendig ist, muss erst eine Verlegung in ein dienstbereites Herzkatheterlabor organisiert und durchgeführt werden. Dies führt zu unnötigen Verzögerungen der Therapie und ist darüber hinaus davon abhängig, ob ein Rettungswagen und ein begleitender Not-Arzt verfügbar ist, wie die Wetterbedingungen sind (trocken, Regen, Schnee/Eis, Tageszeit) und ob der Zustand des Patienten ausreichend stabil ist, um überhaupt noch einen Verlegungstransport durchführen zu können. Ein Hubschraubertransport kann auch nur bei entsprechenden Rahmenbedingungen (Patientenzustand, Verfügbarkeit, Wetter!) durchgeführt werden und verkürzt letztendlich nur die Fahrzeit.

Auch negative Auswirkungen auf andere Notfallpatienten

Grundsätzlich könnte natürlich jeder Patient, bei dem sich mit unauffälligem EKG Symptome wie beim Herzinfarkt zeigen, auch direkt vom Notarzt in eine Klinik mit dienstbereitem Herzkatheterlabor transportiert werden. Es gibt aber leider viele andere mögliche Erkrankungen, deren Symptome denen eines frischen Herzinfarktes ähnlich oder gleich sind; wenn in Zukunft alle diese Patienten mit dem Notarzt direkt zur Klinik mit diensthabendem Katheterlabor gebracht würden, würde das dazu führen, dass 1. der jeweilige Notarzt und 2. der beteiligte Rettungswagen für mindestens 1 – 1,5 Stunden nicht mehr im eigentlichen Gebiet verfügbar wären. Die Folge hierbei wäre, dass weitere Notfallpatienten in vielen Fällen nur zeitlich verzögert behandelt werden könnten.

Zur Information: Es gibt in Stadt-/Landkreis Ansbach an jedem Notarztstandort nur jeweils 1 diensthabenden Notarzt; an allen Rettungswachen (außer Ansbach) ist rund um die Uhr nur 1 Rettungswagen (in Ansbach 2 RTW) dienstbereit.

Verlegung bei Herzinfarktnotfall

Weitere Nachteile müssen Patienten in Kauf nehmen, die privat in eine Klinik gebracht werden oder sich bereits stationär in einer Klinik befinden und dringend einer Therapie mittels Herzkatheter bei akutem Herzinfarkt bedürfen; diese müssen dann auch erst in die dienstbereite Klinik verlegt werden mit allen oben beschriebenen Risiken und Folgen für die betroffenen Patienten und über den Notarzt-/ Rettungsdienst für weitere Notfallpatienten.

Eine Änderung der Bereitschaftsdienste für die Herzkatheterlabore der Kliniken Ansbach, Neuendettelsau und Rothenburg hat den o.a. Ausführungen zufolge, viele weiterreichende Folgen, die an entscheidender Stelle dringend beachtet werden müssen!

ANregiomed hält Versprechungen nicht

Nach dem Eklat im November 2014 wurde von der Klinikleitung ANregiomed versprochen, dass das Herzkatheterlabor am Klinikum Ansbach bis auf die Zeit der Umbauphase in Zukunft rund-um-die-Uhr dienstbereit bleiben wird. Seitdem hat sich an den äußeren Rahmenbedingungen und an den zeitlichen Vorgaben zur Herzinfarkttherapie nichts geändert!

Es darf nicht sein, dass ein Herzkatheterlabor als überlebenswichtige Therapieeinheit – aus welchen Gründen auch immer – nicht dauernd betriebsbereit ist. Dies muss zumindest am Klinikum Ansbach, wie versprochen, der Fall sein, das ja (noch?) als Schwerpunktkrankenhaus eingestuft ist. Jeder Patient/jede Patientin und der gesamte Rettungs- und Notarztdienst muss davon ausgehen dürfen, dass eine medizinisch adäquate Versorgung im Schwerpunktkrankenhaus Ansbach an 365 Tage für 24h täglich gewährleistet ist.

Einheimische zahlen sehr viel Geld für medizinsche Versorgung

Genauso wichtig ist für Betroffene aber auch die Bereitschaft der Herzkatheterlabore in Neuendettelsau und Rothenburg, da die Risiken in jede Verlegungs-Richtung dieselben sind wie auch die Folgen für den Rettungs-/Notarztdienst!! Dem vielleicht kommenden Argument, dass am Krankenhaus Dinkelsbühl auch kein Herzkatheterlabor vorhanden ist, möchte gleich hiermit entgegnen, dass es 1. sehr wünschenswert wäre und 2. dies kein Grund sein darf, dass man es dann auch dort verschlechtert, wo es bereits betrieben wird.

Die Menschen unserer Region bezahlen sehr viel Geld für die medizinische Versorgung durch unsere Kliniken und haben ein Anrecht auf eine adäquate Gegenleistung, die nicht willkürlich zu Ungunsten geändert wird.

Anmerkung der Redaktion

Gastbeiträge geben nicht automatisch die Meinung der Redaktion wieder. Sie sollen zur Debatte anregen  – so wie auch jeder gute Kommentar. Wir geben deshalb allen unseren Lesern die Chance, ihre Meinung bei uns zu veröffentlichen und diese diskutieren zu lassen. Wir freuen uns über Gastbeiträge zu allen Themen an: redaktion@ansbachplus.de

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