Ansbach Plus | 22. August 2017 AN + | 22.08.2017

Steigende Zahlen bei „Fahrerflucht“ – Wie verhalte mich nach einem Unfall? Tipps der Polizei

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  • Am 14. Oktober 2015

Fragwürdiger Trend „Unfallflucht“: Straftäter wird man auch durch Nichtstun – kriminelle Karriere unfallflüchtiger Autofahrer

Momentan vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine „Unfallflucht“ in Ansbach oder im Landkreis zur Anzeige gebracht wird. Viele Geschädigte bleiben auf ihren Schäden sitzen, weil der Verursacher unbekannt bleibt und nicht belangt werden kann.

Die umgangssprachliche „Unfallflucht“ oder „Fahrerflucht“ oder – wie es dem Gesetz nach eigentlich heißen muss – „Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ ist ein Straftatbestand nach § 142 StGB.

Polizeidirektor Heinz Prießmann Dienststellenleiter PI Ansbach

Polizeidirektor Heinz Prießmann, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Ansbach

Wir haben bei Polizeidirektor Heinz Prießmann, Dienststellenleiter der PI Ansbach, nachgefragt:

„Vielen Verkehrsteilnehmern ist es nicht bewusst: Wer nach einem Verkehrsunfall einfach weiterfährt, ohne auf den Feststellungsberechtigten zu warten oder die Polizei zu rufen, begeht eine Straftat – auch schon bei Bagatellschäden! Je nach Schwere des Delikts drohen Führerscheinentzug, Geldstrafe und Freiheitsstrafe.“

Insbesondere im Stadtgebiet häufen sich die derzeit die Fälle, in denen kriminelle Unfallverursacher flüchten. Wie verhält man sich richtig?

„Ich appelliere an alle Verkehrsteilnehmer nach einem Unfall:

– Gehen Sie nicht davon aus, dass kein Schaden entstanden sei.

– Bewerten Sie Geräusche und kurze Lenkungsunterbrechungen kritisch.

– Verlassen Sie nicht die Unfallstelle, weil Sie glauben, der „andere“ verzichte auf Feststellungen.

– Informieren Sie die Polizei, wenn kein Geschädigter erkennbar ist.

– Unabhängig vom Zeitdruck: Es reicht nicht, den Geschädigten „später“ informieren zu wollen.

– Versuchen Sie nicht, den Schaden zu bagatellisieren, wie zum Beispiel: ‚Es war doch nur ein Leitpfosten‘ oder ‚Die kleine Delle an der Tür kann ja einfach wegpoliert werden‘…

Und zusätzlich bitte ich um unterstützende Mithilfe durch Zeugen (Passanten) – denn Geschädigter kann jeder sein, und Beobachtungen, die Rückschlüsse auf den Verursacher zulassen, sind wichtige Bestandteile einer polizeilichen Aufklärung.

Wir haben die Fahndungs- und Ermittlungstätigkeiten nach unfallflüchtigen Verkehrsteilnehmer forciert und können momentan eine Aufklärungsquote von knapp 50 % aufweisen.“

Das Entdeckungsrisiko für Unfallflüchtige ist somit sehr hoch, und jeder Unfallverursacher sollte sich überlegen, ob er für einen verursachten Schaden, der ja ohnehin durch seine Haftpflichtversicherung abgedeckt ist, eine kriminelle Karriere einschlägt.

Statistische Informationen:

Im 5-Jahresvergleich der Ansbacher Inspektion ereignen sich jährlich ca. 300 Unfälle, bei denen sich der Unfallverursacher entfernt. Circa 50 % der Fälle werden aufgeklärt, u. a. durch Zeugenhinweise bzw. Recherche über aufgefundene Fahrzeugteile oder Kennzeichenfragmente.

 

Auszug aus den Jahresunfallstatistiken der PI Ansbach:

Jahr       Fallzahlen                     Sachschaden     Verletzte

2011      273                                  258.000.– €        18

2012      307                                 291.000.– €        16

2013      332                                 313.000.– €        20

2014      332                                 317.000.– €        19

bis 31.08.15        216                   208.000.– €        8

Polizei StGB OWiG StPO Gesetze§ 142 StGB – Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

(1) Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

  1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, dass er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
  2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne dass jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich

  1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder
  2. berechtigt oder entschuldigt

vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.

(3) Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten (Absatz 1 Nr. 1) oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, dass er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält. Dies gilt nicht, wenn er durch sein Verhalten die Feststellungen absichtlich vereitelt.

(4) Das Gericht mildert in den Fällen der Absätze 1 und 2 die Strafe (§ 49 Abs. 1) oder kann von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht (Absatz 3).

(5) Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann.

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