Ansbach Plus | 18. August 2017 AN + | 18.08.2017

„High“-Way to Hell!

Neue psychoaktive Substanzen (NPS) mit verheerenden Folgen

Chemische Cocktails verursachen Schockzustand, Lähmung und Todesangst

Mit exotischen Namen, die absichtlich harmlos klingen wie „Klimax, Amazonas Vanilla, Topaz, Hypnotic oder Diablo“ werden neue psychoaktiven Substanzen (NPS) verkauft, die schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. In bunten Tütchen werden sie für 20 bis 50 Euro pro Gramm über Online-Shops oder Headshops verkauft, also Geschäft die szenetypische Produkte für die Cannabis-Konsumenten etc. abgeben. Die Preise sind deutlich günstiger als bei Kokain, für das man um die 100 Euro pro Gramm bezahlen muss. Der Konsum von NPS steigt jedes Jahr rapide an.

Von gewissenlosen Verkäufern, die hohe Gewinne an solchen Produkten haben (Einkaufswert im Ausland bei Herstellern oft nur 10% der Verkaufssumme) werden sie gerne als „Legal Highs“ an naive und unerfahrene jugendliche Käufer unter der Ladentheke veräußert. Ihnen ist es völlig egal, dass es beim Rauchen, Schnupfen oder Schlucken zu lebensgefährlichen Vergiftungen kommen kann – „der Käufer ist doch selbst schuld, wenn er das konsumiert, es ist doch seine Entscheidung“ lautet häufig das perfide Herausreden von Händlern. Es befindet sich keinerlei Hinweis auf der Verpackung, welche Art NPS enthalten ist.

Während der Konsum legal ist drohen den „Dealern“ hohe Haftstafen. Die Polizei weißt auch darauf hin, dass personenbezogene Daten von Konsumenten an die Führerscheinstellen von Städten und Landratsämtern gegeben werden. Die Folge ist, dass beim Antrag auf Erteilung eines Führerschein möglicherweise eine ablehnender Bescheid erteilt wird oder eine Vorladung zur psychologisch-medizinischen Untersuchung erfolgt.

Kommt es zu einem Notfall, sind Ärzte oft machtlos und stehen vor einem unlösbaren Rätsel. Festgestellt werden Ohnmacht, Versagen der Bewegungsfähigkeit und Sprache, Kreislaufversagen, Herzrasen, Aggression bis zu kannibalistischen Attacken (Zombie-Droge), Psychosen, Wahnvorstellungen, Selbstmordgedanken, Nierenversagen und vieles mehr. Doch eine rettende Behandlung kann im medizinischen Sinn nur schwer erfolgen, wenn der Verdacht auf NPS-Konsum besteht. Kein Arzt weiß, welche Substanzen eingenommen wurden und er kann deshalb auch oft keine Entscheidung treffen, was er verabreichen kann. Die Wirkung eines Arzneimittels in Kombination mit der Vergiftung kann nicht abgeschätzt werden. Häufig muss abgewartet werden, wie das Opfer diese lebensgefährliche Phase übersteht. Fassungslos stehen Eltern und Freunde in der Intensivstation eines Krankenhauses und bangen um die Gesundheit und das Leben ihrer Angehörigen.

In Deutschland sind im Jahr 2014 über 1000 Menschen an den Folgen des Drogenmissbrauches gestorben. Besonders der Anteil der Konsumenten von NPS hat sich stark erhöht, während der Heroin- und Kokainkonsum sank.

Die neuen psychoaktiven Substanzen (NPS)werden mit harmlosen Begriffen wie „Designer“-Drogen, „Badesalz“ oder „Legal“ versehen. Genau genommen sind die Bezeichnungen üble Sprach-Verdrehungen. Dahinter verstecken sich chemisch hergestellte Cannabinoide, ähnlich dem THC in Cannabis (THC = Tetrahydrocannabinol) jedoch häufig hoch konzentriert mit einer zigfach verstärkten Wirkung. Geraucht oder Geschluckt entfalten sie innerhalb weniger Minuten ihre Wirkung die möglicherweise beruhigende als auch starke panische Effekte hervorrufen, je nach individuellem Befinden und Zustand des Konsumenten.

Bei der Herstellung der Droge wird die Molekularstruktur der einzelnen Bestandteile ständig verändert. Die neu entstehenden Stoff-Kreationen (= design) sind weder untersucht noch deren Wirkung bekannt. Der Konsument wird regelrecht zur „Laborratte“. Er hängt buchstäblich am Faden über einem bodenlosen Abgrund ohne dass ihm Hilfe von außen erteilt werden kann.

Die Hersteller solcher Drogen nutzen die Tatsache aus, dass ein Verbot von gesundheitsgefährdenten Stoffen im rechtsstaatlichen System gesetzlichen Regeln unterliegt. Das bedeutet, erst nach genauer Untersuchung, Erkenntnis der Schädigung der Gesundheit und Benennung der Substanz kann sie verboten werden. Das dauert oft Monate oder bis zu einem Jahr. In der Zwischenzeit wird sich ein Hersteller ein neues Rezept einfallen lassen und sowohl er als auch der Verkäufer werden immer behaupten, dass seine Ware „legal“ sei, da sie (noch) nicht verboten ist. So erfand man den Begriff „Legal Highs“ als Verkaufsstrategie.

 

Notarztbericht 

Dr. Markus Bucka
Leitender Notarzt, Obmann der Notärzte Stadt Ansbach

Am 17.11.2014 um 22:35 Uhr wurde der Ansbacher Notarzt alarmiert. Gemeldet wurde eine Person mit unklarem Unruhezustand. Bei Eintreffen fand sich folgende Situation:

Junger Mann (Gewicht ca. 120kg), ca. 25 Jahre alt, will sich im verwirrten, unruhigen und aggressiven Zustand aus einer Wohnung im 3. Stock stürzen. Er wird nur von seinen Freund daran gehindert. Der Freund erklärt, dass der Betroffene irgendwelche Kräuter geraucht hätte und sonst ein völlig friedlicher Mensch sei.

Ärztliche Maßnahmen sind erst möglich, nachdem zwei Polizeistreifen eingetroffen sind, worauf dem Patienten dann ein starkes Beruhigungsmittel verabreicht werden konnte, um ihn durch das enge Treppenhaus in den Rettungswagen transportieren zu können. Dort angekommen, beginnt der Patient erneut unruhig zu werden und ist dann erst nach Einleitung einer Narkose zur Ruhe zu bringen. Er muss beatmet werden und wurde anschließend in die Intensivstation des Klinikum Ansbach gebracht.

Im weiteren Verlauf ergaben sich glücklicherweise keine zusätzlichen Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen oder Kreislaufinstabilität. Am Morgen des nächsten Tages wurde er wieder aus dem künstlichen Koma geweckt und im Laufe des Tages als gesund entlassen.

Dieser Einsatz war nicht nur für den Patienten lebensgefährlich, sondern auch für seinen Freund und für alle beteiligten Einsatzkräfte. Wegen des unkontrollierbaren Zustandes des Patienten waren alle höchster Gefahr ausgesetzt.

Durch diesen Drogenmißbrauch entstanden Kosten von insgesamt ca. 2800 € . Hinzu kommt der Ausfall durch den Krankheitstag des Patienten.

Die Folgen für den Körper bei Mißbrauch von NPS sind in keinster Weise vorhersehbar und von daher lebensgefährlich!

Auch die Annahme, dass der Gebrauch einer Substanz bereits einmal gut gegangen ist und dann das nächste Mal ja auch gut gehen wird, ist falsch, da die Substanzen willkürlich zusammengesetzt werden und die Inhaltsstoffe auch bei gleichem Namen nicht vergleichbar sind.

ACHTUNG: IMMER LEBENSGEFAHR!!

 

Beratung und Aufklärung in Schulen

„Jeden, den ich vom Konsum der neuen psychoaktiven Substanzen abbringen kann, ist ein Gewinn“ sagt Gerhard Wittig von der Ansbacher Kriminalpolizei. Er ist der zuständige Beamte der Suchtprävention der KPI Ansbach. Seine Aufgabe ist die Aufklärung über Gefahren welche NPS-Drogen verusachen. Er berät und diskutiert in Schulen mit Lehrern und Schülern sowie dem Arbeitskreis Gesundheit des Ansbacher Stadtrates. Er informiert auch über die Hintergründe, die mit den Drogen im Zusammenhang stehen. Gerhard Wittig weiß bescheid, wie die gefährlichen Gifte in kleinen wie in großen „Küchen“ hergestellt und aus welchen Bestandteilen sie zusammengebastelt werden. Auch wie diese nach Deutschland gelangen, weiß er.

Alle, die Informationen aus kompetenter Hand möchten, können sich an Gerhard Wittig wenden und einen Termin vereinbaren. Vorzugsweise kommt er an Schulen zu Vorträgen und Diskusionen. Derzeit arbeitet er zusammen mit Studenten der Ansbacher Hochschule an einem Kurzfilm-Projekt mit aufklärendem Inhalt. Eine weitere Zusammenarbeit ist dem Theaterpädagogen Sebastian Engmann vom Theater Ansbach entstanden. Geplant wird ein Theaterstück zum Thema: „Drogenkonsum“, aufgeführt in Klassenzimmern mit anschließender Schüler-Diskussion. Davon erwartet er sich einen großen Erfolg, weil die Schüler sich in der Diskussion dem Thema öffnen und Stellung beziehen müssen. „Das wird spannend …“ meint Gerhard Wittig.

Kontakt:             Kriminalpolizei Ansbach
Adresse:            Schlesier Straße, Ansbach
Telefon:            09 81 – 90 94 381

Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige