Ansbach Plus | 20. August 2017 AN + | 20.08.2017

Evert Fraterman – Portrait

„trommelt“ und lehrt Schlagzeug in Ansbach

Evert bei der Kneipenjagd 2014 im "Tam" Ansbach

Evert bei der Kneipenjagd 2014 im „Tam“ Ansbach

Wenn Evert Fraterman über seine Zeit als „Trommler“ (so bezeichnet er sich selbst) in verschiedensten Bands erzählt, hört man die Namen von bekannten Ansbacher Musikern, aber, wenn man nachhakt, ebenso von Berühmtheiten der internationalen Musikerszene. Er ist einer der wenigen Musiker aus dem Raum Ansbach, dem eine echte Profikarriere gelang.

Und wie diejenigen, die ihn trommeln hören (und sehen), sofort merken, spielt der Evert nach wie vor mit ungebrochener Begeisterung. Er ist noch in mehreren Bands aktiv und unterrichtet in Ansbach in seinem Haus am Bocksberg als staatlich anerkannter Schlagzeuglehrer Profis und Amateure von jung bis alt.

Evert wurde in Arnhem (Niederlande) geboren. Er sammelte in Holland bereits erste Bühnenerfahrungen in einem Kinderchor, mit dem er diverse Konzertreisen unternahm (u.a. nach Deutschland) und im niederländischen Rundfunk sang. Über Zwischenstationen in Düsseldorf und München zog die Familie nach Ansbach. In München vom Beat(les)fieber angesteckt und von einem Mitschüler zum Schlagzeugspielen angestiftet, stieg er, kaum in Ansbach angekommen, schon in die erste Band ein. Es folgten die ersten Auftritte mit „The Savages“ und danach – obwohl er noch in die Schule ging – Monatsengagements mit „The Soulflames“, dh. tägliche, oder besser, allnächtliche Auftritte in Clubs (in den 60ern gab es in Ansbach noch mehrere Lokale, in denen jeden Abend Bands auftraten).

1968 wurde Evert in die renommierte Ansbacher Band „The Chapter Five“ geholt, mit der er Stücke von z.B. Jimi Hendrix, Jethro Tull, Cream, sowie Jeff Beck oder King Crimson spielte. 1970 gründete er mit Hans Jörg „Donald“ Kerler und Wolfgang „Keili“ Keilhofer ein engagiertes Progressiv Rocktrio, das eigenes Material spielte: „Parish Nag“.

1970 machte er das Abitur am Platengymnasium Ansbach, verirrte sich dann zunächst in einen Architekturstudiengang, bis seine Musikbegeisterung sich endgültig und durchschlagend Gehör verschaffte, und er ein Musikstudium in Nürnberg startete. Währenddessen spielte er regelmäßig im musikalischen Ensemble des Schauspielhauses Nürnberg.

Mit der Aufnahme in das Jazz-Trio des musikalischen Leiters des Theaters, Ken Rhodes, wuchs Everts Bekanntheitsgrad über fränkische Grenzen hinaus. Er spielte mit dieser Formation z.B. in Hamburg, München, Frankfurt, Heidelberg, Göttingen oder Saarbrücken sowie auf Festivals, etwa in Belgien, und machte eine lange Tournee durch Skandinavien.

Als er gegen Ende seines Musikstudiums in „Volker Kriegels Mild Maniac Orchestra“ aufgenommen wurde, war der Evert in der erste Riege der deutschen Jazzszene angekommen. Er spielte 8 Jahre in dieser Band, unter anderen auf den großen Jazzfestivals, zum Beispiel in Montreux, Bombay, Frankfurt, Zürich etc., machte viele Tourneen in Deutschland, für das Goetheinstitut auch eine lange Konzertreise durch Afrika (Fernsehfilm WDR) und wurde als Mitglied dieser Band 1982 von der Deutschen Phonoakademie zum Künstler des Jahres gewählt. Die Band trat auch diverse Male im Fernsehen auf und veröffentlichte regelmäßig Schallplatten.

Im Laufe der Jahre bekam der Evert die Gelegenheit mit noch vielen anderen, international renommierten Künstlern zu spielen, mit Jazz-Größen wie Albert Mangelsdorff oder z.B. mit Jack Bruce, Nigel Kennedy, Dick Heckstall-Smith, Kevin Coyne etc.

Mijnheer Fraterman wurde von den Fachzeitschriften wiederholt in die Spitzengruppe der besten Schlagzeuger Deutschlands gewählt.

Vom Münchner Dirigenten und Komponisten Eberhard Schoener wurde er eingeladen auf diversen seiner LPs mitzuspielen (bei denen u.a. auch Sting und Andy Summers mit von der Partie waren) und bei seinen Konzerten zu trommeln (u.a. zusammen mit Pete York und mit Musiker von Alan Parsons Project).

Überhaupt war Evert auch als Studiomusiker in den großen Studios der Republik viel beschäftigt. Heute nimmt er Drumtracks für Produktionen anderer in der Regel in seinem eigenen Studio auf. So zum Beispiel für den inzwischen in Los Angelos lebenden Ansbacher, den viel beschäftigten Filmmusikkomponisten Wolfram de Marco. Für ihn spielte und nahm er Schlagzeug zu dessen Musik für den Film mit den Ochsenknecht-Söhnen „Gangs“ auf.

Nach 15 years on the road, der Hotelbetten und der Autobahn reichlich müde, zog er sich Anfang der 80er in die mittelfränkische Heimat zurück – auch um verstärkt an eigenem Material arbeiten zu können.

Er engagierte sich nun auch wieder vermehrt in der heimischen Musikszene, spielte zunächst viel mit der Nürnberger Funkjazzband „Faun“, dann mit Rudi Madsius und „Streetlife“ und bis heute regelmäßig mit der legendären, „konzertanten“ Coverrockband „Revolver“ (die inzwischen noch mit drei Bläser auftritt) sowie mit diversen anderer Jazz-, Soul-, Folk- und Rockformationen.

1990 gründete Evert eine eigene Band: „the fratermen“ und es ging nun auch mit anderen Musikern on the road again: Er trommelte bei zahlreiche Tourneen mit der „Dick Heckstall-Smith/John Etheridge Group“. Nach dem Tod von Dick Heckstall-Smith, spielte er mit dem englischen Gitarristen John Etheridge („Soft Machine“, Stefane Grapelli etc.) noch eine ganze Zeit lang in anderen Bands, zuletzt in der „John Etheridge-Evert Fraterman-Band”.

Immer wenn er Zeit hat, taucht Evert in sein Tonstudio ab und arbeitet an eigenen musikalischen Ideen. Er schrieb und produzierte z.B. Stücke für die „fratermen“-CDs „Spielerlaubnis“ und „der Sinn des nebeLs” oder für den offiziellen kulturellen Beitrag der BRD zur Olympiade 1988 in Seoul (Kunstdisco).

Den weitaus größten Teil der Musik, die er daheim aufnahm, hat er jedoch nie veröffentlicht. Statt sich um solche Dinge zu kümmern schreibt der Evert, wie er uns erzählte, lieber neue Stücke. 2006 kam er aber auf die Idee, ein Teil dieser Musik, Songs mit persönlichen Texten wie auch Experimentelles, zusammen mit den Gedanken und Erlebnissen, die ihn dazu bewogen haben, diese Musik zu schreiben, in einem Buch zu veröffentlichen. Er hatte das dann auch bereits vor vielen Jahren bei der Veranstaltung „40 Jahre Rock in Ansbach“ angekündigt, dort auch schon erste Passagen daraus vorgelesen. Leider kamen aber Krankheit und Tod seiner Eltern und danach ein Eingriff an seinem Herzen dazwischen, schränkten eine Fortsetzung der Arbeit daran in den folgenden Jahren erst mal stark ein. Und danach wollte er, wie er uns berichtete, zwar intensiv, aber ohne jeglichen Zeitdruck daran weiterarbeiten. Inzwischen ist das umfangreiche, teilweise autobiografische Buch/CD-Projekt, das den Titel „Wasserfreunde“ trägt, aber so gut wie fertig.

 

Text: Patrick Vogel/co. Evert Fraterman, Foto: © Michael Vogel, Ansbach

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