Ansbach Plus | 19. August 2017 AN + | 19.08.2017

„Keili“ Wolfgang Keilhofer

Er ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Ansbacher Rock-, Blues oder Jazz-Musiker. Wolfgang Keilhofer, genannt: „Keili“, hat als Gitarrist in einer Reihe von Bands regionale Musikgeschichte geschrieben. Er ist Jahrgang 1953 und seine Spielfreude ist ungebrochen. Der Regiotipp traf sich mit ihm zu einem Gespräch im „Express“ in Nürnberg.

Ohne Star-Allüren, gradlinig, offen, sympathisch und als unkomplizierter, feiner Typ beantwortete Keili die Fragen zu seinem Musikerleben, das auch viel mit der Ansbacher Rock-Geschichte zu tun hat.

Regiotipp: Wie bist Du zur Musik und zur Gitarre gekommen?

Mein Bruder war die Ursache. Er spielte damals Gitarre in einer Tanzcombo. Er hat mir die ersten Griffe gezeigt und danach ging es wie von selbst weiter. Lieber hätte ich Schlagzeug gelernt. Da wir in einem Mietshaus wohnten, ging das aber wegen der Lautstärke nicht. Außerdem war ein Schlagzeug sehr teuer, das kostete einige Tausender – das waren drei Monatslöhne.

Musik habe ich schon immer gemocht. Nicht nur Rockmusik, jede Art von guter Musik. Auch Schlager – wenn sie gut waren habe ich mir sie angehört. Zum Beispiel finde ich heute noch „Merci, Cheri“ von Udo Jürgen sehr gelungen. Klassische Musik hat mich immer interessiert. Den „Bolero“ von Ravel höre ich sehr gerne. Besonders mag ich die moll-Tonfarbe.

 

Regiotipp: Welche Musiker waren Deine Idole, wer hat Dich inspiriert?

Das waren Leute wie Jimi Hendrix mit einem völlig neuen Gitarrensound, auch die Beatles, die Stones und natürlich Cream. Mich interessierten immer die abgefahrenen Stücke mit Gitarrensolis, eher die komplizierten und ausgefeilten, nicht so sehr die normalen Songs. Übrigens war ich einer der wenigen, die sowohl Beatles- als auch die Stonesmusik mochten. Damals gab es zwei Lager, die entweder die einen oder die anderen hörten. Mir war das egal, wenn die Songs gut waren, habe ich sie immer gern gehört.

Regiotipp: Wie verlief Dein Start als Musiker in Ansbach?

Genau genommen startete ich in Heilsbronn. Der erste musikalische Auftritt war im Altersheim. Wir spielten zu dritt mit Wandergitarren und hatten unser Publikum mit dem Song: „Summertime“ aus dem gleichnamigen Musical zum Weinen gebracht. Als Honorar gab es einen Schokoriegel für jeden.

In Ansbach gründete ich 1969 zusammen mit Peter Hofmann (Schlagzeug) und Max Vilsmeier (Bass) die: „Blues Invention“. Üben durften wir in einem Nebenraum in den Kammerspielen, denn Max Vater war der Eigentümer von einigen Ansbacher Kinos. Das war für uns sehr günstig.

 

Regiotipp: Kannst Du Dich an Deinen ersten Auftritt in Ansbach und Deine ersten Songs erinnern?

Der erste große Auftritt in Ansbach war 1969 beim POP IN 1 im Onoldiasaal. Das Pop-Konzert wurde vom FLZ-Reporter Werner Haala organisiert und von der Fränkischen Landeszeitung veranstaltet.. Damals spielten wir als erste Band „Voodoo Child“ von Jimi Hendrix. Wir konnten nur fünf Songs und „Voodoo-Child“ haben wir als Zugabe noch mal gespielt, weil es beim Publikum sehr gut ankam. Ein Jahr danach, beim POP IN 2 traten wir als „Heureka“ auf und konnten das Ansbacher Publikum wieder begeistern.

 

Regiotipp: Wie verlief Dein weiterer musikalischer Weg?

In den folgenden Jahren haben wir uns neu formatiert mit Hermann Hofmann an der Gitarre (verstorben am 7. Sept. 2010, Anm. d. Red.), der jüngere Bruder von Peter Hofmann, „Donald“ Kerler am Bass, Tom Hiltner am E-Piano war bei einigen Sessions dabei und Evert Fratermann am Schlagzeug zu „Parish Nag“. In Ansbach, im Studio 23 in der Büttenstraße und der Umgebung haben wir fast überall gespielt. Auch „Curly“ Kauper war ab und zu dabei – das war eine wilde Zeit. Wir wohnten als „Land-WG“ zusammen, so wie sich das damals gehörte.

Später, in den 80ern gründeten wir zusammen mit dem Saxophonisten Alan Ahoe die Band: „Ample Tang“. Die gibt es heute noch und auch „Curly“ Kauper ist seit Jahren dabei. Alan ging zurück nach Amerika. Seit einigen Jahren spiele ich mit der vor vier Jahren gegründeten „Doc-Knotz“-Band (www.docknotz.de).

 

Regiotipp: In welchen Bands hast Du noch gespielt?

Ich hatte mich 1984 der bekannten Nürnberger N.C. Brown Blues Band angeschlossen und zog deshalb nach Nürnberg, wo ich heute noch wohne. Die Band ist derzeit nur noch bei ausgesuchten Veranstaltungen zu hören. Wir haben bei vielen Konzerten gespielt, zum Beispiel auch bei den legendären Rother Bluestagen. Das sind tolle Musiker und ich bin noch heute sehr gerne mit ihnen auf der Bühne.

1994 hatte ich eines Tages einen wichtigen Anruf. Der Manager des Musikers und Bildkünstlers Kevin Coyne rief an weil Kevin mich als Gitarristen wollte. Zwei Tage später probte ich mit seinem Bassisten in Bremen die ersten Songs. Einen Tag später war der erste Auftritt in Bremen und wir gingen auf Tour. Dann waren wir neun Jahre lang quer durch England, Frankreich und Deutschland unterwegs.

 

Regiotipp: Gab es Konzerte, die für Dich besonders wichtig waren?

Eines der für mich wichtigsten Konzerte war in Ansbach, als ich zusammen mit Jack Bruce von CREAM auf der Bühne im Onoldiasaal spielte. Ich hatte ihn kennengelernt, als die Gitarrenbaufirma Hoyer für eine Messe einen Gitarristen suchte. Dort traf ich Jack Bruce. Wir brauchten noch einen Drummer und holten aus Ansbach Evert Fratermann dazu. Wir spielten mehrere Tage zusammen und verstanden uns sehr gut. Jack bot mir an, sollte ich einmal einen Bassisten brauchen, soll ich anrufen. Das habe ich gemacht und er hielt Wort. Jack Bruce kam für dieses legendäre Konzert nach Ansbach. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich 16 Jahre nach meinem Musikstart mit einem meiner Idole bei einem Konzert auf der Bühne in Ansbach stehe. In den 70ern hatten wir ein Poster im Übungsraum von ihm an der Wand hängen und er schien uns unerreichbar.

 

Regiotipp: Du warst auch oft als Studiomusiker gebucht?

Ich habe bei etwa 50 CD-Produktionen der verschiedensten Stil- und Musikrichtungen mitgewirkt.

 

Regiotipp: Hast Du eine „größten“ Wunsch?

Eigentlich bin ich sehr zufrieden. Ich kann die Musik machen, die mir gefällt. Das finde ich sehr gut. Ich würde mir wünschen, dass alles so bleibt. Außerdem fände ich es gut, wenn die Menschen sich endlich zum Guten ändern würden! Und … ich würde mir wünschen, einmal die Zeitung lesen zu können, ohne dass ich mich über etwas ärgern müsste …

 

Regiotipp: Welchen Rat würdest Du heute jungen Musikern mitgeben?

Wenn ein junger Musiker gut ist, muss er seinen Weg gehen und darf sich nicht beirren lassen. Man darf nicht dem Irrtum verfallen, dass Musiker einfach so entdeckt und große Stars werden. Musik ist auch harte Arbeit, die viel Ausdauer und Talent verlangt.

 

Der Regiotipp bedankt sich für das Gespräch und wünscht Dir alles Gute für die Zukunft!

 

Anm. der Red.: Wer „Keili“ auf der Bühne mit der NCBrown Blues Band im kurzen Musikvideo sehen möchte, gibt bei youtube ein:
http://www.ncbrownbluesband.de/Music      Das Bild anklicken und schon geht es los

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