Ansbach Plus | 19. August 2017 AN + | 19.08.2017

Ansbacher Weihnachtsmarktposse

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Offener Brief von Bernd Werner

Ansbacher Weihnachtsposse – Oder: Quo vadis Citymarketing e.V.?

Bernd Werner

Bernd Werner

Ansbach leistet sich seit Jahren eine Citymarketing-Gesellschaft mit dem Ziel, Ideen für die Belebung der Innenstadt zu entwickeln und umzusetzen. Dafür investiert die Stadt Geld, aber was kommt dabei heraus?
Einheitliche Stehtische, einheitliche Abfallkörbe und fast (!) einheitliche Glühweinsorten auf dem Weihnachtsmarkt. Dann noch außerhalb der Adventszeit Pflanzenkübel vor den Geschäften, verkaufsoffene Sonntage, eine grüne Nacht usw. Das ist alles ganz nett, mehr aber nicht!
Hat denn das Citymarketing seine eigentliche Aufgabe vergessen oder einfach nicht verstanden?
Seit der Eröffnung des Brückencenters hat Ansbach nach den Analysen der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) eine sensationelle Umsatzkennziffer von 146,0, der Landkreis Ansbach hat nur 88,4, Nürnberg hat ebenfalls 146,0 und selbst München hat nur 146,8. (Stand 2013).
Wenn man davon ausgeht, dass Ansbach laut GfK eine Kaufkraftkennziffer von 104,1 aufweist, was dem Einkommen der Stadtbewohner entspricht (Ausgangwert für Gesamtdeutschland ist stets 100), bedeutet dies, dass rund 42 % an Umsätzen in der Stadt getätigt werden von Menschen, die ihr Einkommen nicht im Stadtgebiet verdienen. Die Stadt Ansbach besitzt demzufolge eine enorm hohe Anziehungskraft, sie hat sich zu einem Mittelzentrum entwickelt, das ist eine absolut erstklassige Voraussetzung für eine städtische Zukunftsplanung.

Kurzum: Es kommt seit Jahren genügend Geld in die Stadt, fragt sich nur, verteilt es sich auch sinnvoll?
Was sind unter solchen günstigen Voraussetzungen die Aufgaben des Citymarketings Ansbach?
Es genügt, sich mit dem Management des Brückencenters abzustimmen hinsichtlich Warenangebot, Preisniveau, Öffnungszeiten und gemeinsamen Aktionen, dies stets unter dem Gesichtspunkt einer sinnvollen Abgrenzung zum Altstadtbereich. Mehr ist nicht zu tun, den Rest macht das Centermanagement ohnehin selbst.
Als Hauptaufgabe bleibt dann allerdings der Altstadtbereich, dieser umfasst den Johann-Sebastian-Bach-Platz, die Uzstrasse, die Neustadt und den Martin-Lutherplatz mit Ausläufern, die neu gestaltete Promenade nehme ich bewusst aus diesem Thema heraus.
Nachdem die Vorsitzende des Citymarketing-Vereins selbst Vorträge zum Thema “Leerstandsmanagement“ hält, sind offensichtlich Vorgehensweise und Instrumente zur Umsetzung bekannt. Auch OB Seidel ruft mit der Aktion „Wir sind die Innenstadt“ zum gemeinsamen Handeln auf. Aus meiner Sicht ist eine theoretische Basis durchaus vorhanden, Erfolge werden aber nur durch praktische und nachhaltige Arbeit erreicht. Dafür muss eine Person „den Hut auf haben“. Bemerkung eines betroffenen Unternehmers in der Altstadt: „Dem muss der Hut aber auch passen“!
Die Aufgabe „Vision Altstadt Ansbach“ kann nur erfolgreich über eine wirtschaftlich sinnvolle und abgestimmte Abgrenzung zu den Angeboten des Brückencenters umgesetzt werden, was bedeuten würde:

  • Entwicklung mit den jeweiligen Hauseigentümern von ansprechenden Geschäftsräumen und Hausfassaden.
  • Entwicklung von Ladenflächenkonzepten ebenfalls mit den Hauseigentümern.
  • Erneuerung (sofern notwendig) der Straßenbeläge (fußgängerfreundlich)
  • Angenehmes Beleuchtungskonzept für die genannten Bereiche.
  • Gewinnung von Geschäften mit Markenartikeln und einer etwas gehobenen Preislage.
  • Gewinnung von Geschäftsinhabern mit der Bereitschaft, Investitionen in die Verkaufsräume zu tätigen und entsprechend geschultes Verkaufspersonal zu entwickeln.
  • Interessante, kundenorientierte und zwischen den Geschäften abgestimmte Öffnungszeiten

Es sind also zwei unterschiedliche, sich aber ergänzende Konzepte (Brückencenter und Altstadt) zu entwickeln und laufend zu aktualisieren. Ich gebe zu, dass dies selbstverständlich professionelle Konzeptarbeit und vor allem Unverzagtheit bedeuten würde.

Der zäheste Teil dabei ist natürlich, in einen ständigen und zukunftsfähigen Dialog mit allen Hauseigentümern der genannten Innenstadtbereiche zu treten, um diese für eine „Vision Altstadt Ansbach“ nicht nur zu gewinnen sondern zu begeistern, selbst dann, wenn diese nicht in Ansbach wohnen. Eine Begeisterung kann aber nur über eine inhaltlich voll überzeugende Vision zustande kommen, welche auch die Hausbesitzer als „Renditedenker“ mitnimmt. Gelingt es nicht, eine mehrheitsfähige Gemengelage aller Interessenten zu erreichen, scheitert zwangsläufig jedes Citymarketing im Kern ihrer Aufgabe.

Ich lebe nun zwischenzeitlich seit rund 15 Jahren in Ansbach und finde, dass sich diese Stadt insgesamt gut entwickelt, aber gerade der überwiegend schön gestaltete Altstadtbereich leidet ganz erheblich und viele Geschäftsleute vermissen eine zukunftsfähige Unterstützung durch die Stadt. Auch bei anstehenden Nachfolgelösungen sollte die Stadt eine beratende Begleitung übernehmen.
Zu viele neue Geschäfte überleben nicht, bei den meisten Neueröffnungen lässt sich aufgrund eines fehlenden Produkt- und Preiskonzeptes schon der Niedergang bei der Eröffnung voraussagen. Unattraktive Leerstände sind dann die zwangsläufige Folge.
Werden hier keine praktischen Lösungen erarbeitet, verspielt Ansbach seinen derzeit noch vorhandenen Vorsprung. Eine Beobachtung der erwähnten GfK-Zahlen könnte in den nächsten Jahren zwar Auskunft über die Zugkraft der Stadt geben.
Aber Achtung: Sofern das Brückencenter weiter wächst und die Altstadt zugleich schrumpft, würden die GfK-Zahlen unverändert positiv aussehen.
Diese Zahlen würden über die vorhandenen Probleme hinwegtäuschen, das heute bestehende Altstadtproblem wäre dann immer noch ungelöst

Freundliche Grüße
Bernd Werner
Werner Consult
Joh.-Seb.-Bach-Platz 20

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