Ansbach Plus | 22. August 2017 AN + | 22.08.2017

Gratulation zum Jubiläum! 20 Jahre 
Kam(m)eradschaft!

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Gratulation zum Jubiläum! 20 Jahre 
Kam(m)eradschaft – Wie alles in den 90er Jahren begann:

Kammerspiele Vereinsteam

Kammerspiele Vereinsteam

Richard Illig: Wenn die Ansbacher Kammerspiele in diesem Jahr das 20-jährige Jubiläum begehen, dann müssen wir uns fast anstrengen, wenn wir uns die Situation Anfang der 90-er Jahre vor Augen halten wollen. Zu fern, beinahe unwirklich ist diese Zeit, von heute aus betrachtet, wo in Ansbach so viel los ist, dass manche schon wieder stöhnen, sie kämen gar nicht mehr nach mit dem Wahrnehmen des kulturellen Angebots. Aber um die Entstehung der Kammerspiele zu verstehen, müssen wir noch weiter zurückgehen, in die 80-er Jahre.
Da gab es ein paar Idealisten, alles leidenschaftliche Ansbacher, die auf irgendeine Art andere, größere Städte erlebt hatten und gesehen hatten, was da so los war in der Kulturszene. Blues, Jazz, Rock, Folk und Liedermacher, die ganze Palette der Kleinkunst, und das damals noch aufregend neue Genre des deutschen (politischen) Kabaretts – all dies konnte man anderswo erleben, bloß in Ansbach nicht, außer ganz selten in ein paar Kneipen. Um dies zu ändern, wurde Anfang der 80-er von einigen Leuten das Cafè Waldsee übernommen, auf improvisierte Art der Kneipenbetrieb gestaltet und dann mit dem Organisieren von Kleinkunst-Veranstaltungen begonnen. Gebucht wurde damals so ziemlich alles, was man bekommen konnte, vorausgesetzt natürlich, den Machern gefiel es und sie konnten irgendwie annehmen, dass es auch ankam. Schon damals etwa haben die Nürnberger Haudegen wie Wolfgang “Keili” Keilhofer oder Klaus Brandl im “Waldsee” gespielt, Ansbacher Musiker wie Evert Fraterman oder Barney Rasche, internationale Bands und Sänger wie die Battlefield Band oder Allan Taylor, und natürlich schon Kabarettisten wie Sigi Zimmerschied oder TBC.

All das wurde jäh beendet, als 1990 das Pachtverhältnis nicht verlängert wurde. Damit war das “Waldsee” Geschichte und keiner wusste, wie es weiter gehen sollte. Aber bald war klar, dass man weitermachen wollte. Eine Gruppe um Wolfgang Bartusch, die schon im Waldsee Kultur veranstaltet hatte, setzte sich immer wieder zusammen und beratschlagte, was man tun könnte. Aus einer Reihe von möglichen Optionen für geeignete Räumlichkeiten kristallisierten sich die damals leerstehenden “Kammerlichtspiele” heraus. Aber nach Besichtigungen und ersten Plänen wurde rasch klar, dass man da eine Menge Geld für den Umbau investieren musste.
Von der Stadt bekam man keines, außerdem wollte man ja unabhängig bleiben, also was tun? Der Durchbruch kam, als Wolfgang Bartusch mit dem Unternehmensberater Klaus Schäfer den Plan entwarf, einen Kulturverein zu gründen, der möglichst schnell möglichst viele Mitglieder haben sollte (die erste Zielvorgabe im Herbst 1991 war: bis Ende des Jahres 1000 Mitglieder). Das zunächst utopisch erscheinende Ziel wurde erreicht, im Nachhinein eine grandiose Leistung. In der Innenstadt wurden Werbeaktionen gemacht, auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein verkauft, bei allem wurde mit einer unglaublichen Begeisterung “heiße Luft” verkauft: mit nichts als der der vagen Planung und einer Menge an kreativem Potential gelang es, die Ansbacher für das Projekt zu gewinnen. Dadurch konnte erreicht werden, dass die Stadt eine Ausfallbürgschaft für den aufzunehmenden Millionenkredit übernahm, und dann konnte mit dem Umbau begonnen werden.
Noch einmal musste 2 bis 3 Jahre durchgehalten werden, Pächter wurden gesucht (und gefunden…), mit Tausenden ehrenamtlich geleisteten Stunden wurde das Haus umgebaut, und am 14. September 1994 war es dann soweit: am Nachmittag wurde noch gewerkelt und geputzt, um 18 Uhr stieg die grandiose Eröffnungsfeier, in Kneipe, Saal und Cafè Max war die Hölle los – ein historisches Datum für die Ansbacher Kulturszene.
Ab dann war der Erfolg nicht mehr aufzuhalten. Man muss es noch einmal klarstellen: Der Stadt Ansbach war ohne einen Pfennig (so hieß das damals…) Eigeninvestition ein alternativer Kulturtempel hingestellt worden, der seinesgleichen sucht. Natürlich ist das der Stadt mittlerweile einen ansehnlichen Zuschuss wert, der auch alljährlich gewährt wird.

Und belohnt wurde das schnell: mit der Verleihung des Bayerischen Heimatpreises 1995, eine Auszeichnung, auf die man zu Recht stolz ist, aber außerdem im Lauf der Jahre mit einer kontinuierlichen Akzeptanz bei einem breiten Anteil der Bevölkerung in Ansbach, aber auch weit über Ansbachs Grenzen hinaus. Manches hat sich geändert, vieles ist professioneller geworden, vor allem die Abwicklung der Büroarbeit, das Booking, der Kartenverkauf, die Veranstaltungsbetreuung. Aber eines ist geblieben: der Großteil der Arbeit wird von einer Gruppe ehrenamtlicher Helfer geleistet, manche seit der ersten Stunde dabei, manche neu dazugekommen. Die Finanzen werden  ständig konsolidiert, ein Ende der Verschuldung ist abzusehen. Und noch etwas: die Kammerspiele haben als Auftrittsort bei den Künstlern einen hervorragenden Ruf. In die Kammerspiele zu kommen, ist für viele Künstler mittlerweile ganz wichtig, und wer einmal da war, kommt gerne wieder. Deshalb können sich die Programm-Macher auch vor Anfragen mittlerweile nicht mehr retten. Und die Kammerspiele sind aus dem Ansbacher Kulturleben nicht mehr wegzudenken.

In diesem Sinne: auf die nächsten 20 Jahre!

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