Ansbach Plus | 27. Juni 2017 AN + | 27.06.2017

Rathausareal – Schrammhaus doch denkmalschutzwürdig!

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PM Rathausareal-Klausurdiskussion mit Stadträten am 28.07.2014

Rathausareal – neue Ausgangslage durch Forderung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz nach Erhalt des Schrammhauses

rathaus.13Zur Zukunft des Rathausareals gab es in den letzten Monaten zahlreiche Vorschläge, ja ein Mehrfaches an Ideen für Nutzung als im Rahmen der tatsächlich zur Verfügung stehenden oder darstellbaren Fläche überhaupt möglich sein wird. Bereits seit dem fraktionsübergreifenden Antrag im Dezember 2012 und dem darin erklärten Wunsch nach einer breiteren Basis für das Projekt rund um das Rathaus zeigte sich ein breites Meinungs- bild. Das im Auftrag der Oberbürgermeisterin durchgeführte Bürgerforum, der Input aus den Dienststellen der Stadtverwal- tung und Anregungen aus Politik sowie von einzelnen Bürgern zeigten das große Interesse an der Neuordnung des Areals im Herzen Ansbachs.

Eigentlich hätte bereits vor der Sommerpause der Gang in die Gremien und dann die angekündigte erneute Bürgerbeteiligung auf dem Zeitplan gestanden, doch die neu formulierte Forderung des Landesamtes für Denkmalschutz, dass das Schrammhaus erhalten und somit auf einen Ersatzneubau verzichtet werden sollte, führen zu einer anderen Ausgangslage.

Schrammhaus (2012)

Schrammhaus (2012)

In einer ergänzenden bauhistorischen Untersuchung mit digitalem verformungsgerechtem Aufmaß, dendrochronologischem Gutachten zur Bausubstanz und Baualtersplänen wurde das Vorder- und Rückgebäude des Schrammhauses näher untersucht. Die Untersuchungsergebnisse datieren das Hauptgebäude (Vordergebäude zu Straße) auf eine Fällzeit der Hölzer im Winter 1589/90. Die historische Remise (Rückgebäude) entstand ebenfalls nach 1589/90 und wurde 1742 umgebaut bzw. erweitert. Spätere Veränderungen und Erweiterungen deuten auf das Jahr 1863 hin. Eine letzte größere Veränderung fand im 20. Jahrhundert mit der Errichtung eines Schleppdaches statt.

Aufgrund der früheren baulichen Veränderungen und vor allem der vergleichsweise niedrigen lichten Raumhöhen in den Obergeschossen war seit ca. 2005 seitens der Stadt ein Ersatzneu- bau des Vordergebäudes favorisiert worden. Baureferent Jochen Büschl: „Im Vergleich zu den benachbarten Häusern haben wir am Schrammhaus ein Geschoss mehr bei nahezu gleicher Traufhöhe“. Dies wurde auch von der Denkmalpflege, welche als Fachberater im Ideenwettbewerb 2007 involviert war, nicht verkannt.

Nun hat aber der Generalkonservator des Bayerischen Landes- amtes für Denkmalpflege in einem bereits vorher angekündigten Schreiben von vergangener Woche den Denkmalwert des Schrammhauses unterstrichen und die Forderung nach Erhalt des Schrammhauses erhoben. Generalkonservator Mathias Pfeil zum historischen Wert des Bauwerkes wörtlich: „Neben seiner unmittelbar greifbaren baugeschichtlichen Bedeutung als dicht überliefertem Bürgerhaus der Renaissancezeit besitzt das Schrammhaus […] auch einen besonders hohen sozial- und stadthistorischen Zeugniswert.“

Im Vorfeld einer erneuten Behandlung der Zukunft des Rat- hauskomplexes in Ausschuss und Stadtrat sowie auch auf Wunsch aus der Mitte des Stadtrates lud nun Oberbürgermeis- terin Carda Seidel interessierte Stadträte aus allen Fraktionen am Montag, den 28. Juli 2014, zu einem informellen Klausurge- spräch ins Stadthaus ein. Vertreter des Baureferates informierten hier neben einem nochmaligen Überblick über die jüngste Vorgeschichte und die gesammelten Ideen aus der Beteiligung der Bürger und städtischen Dienststellen insbesondere über die bei Erhalt des Schrammhauses veränderte Situation für die Neugestaltung des gesamten Rathauskomplexes.

„Die neuen Erkenntnisse zum Schrammhaus zeigen uns zum einen, dass manche durchaus interessanten Ideen wohl nicht umsetzbar sein werden, zum anderen geben sie uns die Gelegenheit uns wieder stärker auf die drängenden zu lösenden Probleme zu konzentrieren “, so Oberbürgermeisterin Carda Seidel. „Nicht aus den Augen lassen dürfen wir dabei die Schaffung einer leicht zugänglichen Anlaufstelle für bürgernahe Angebote im Rathauskomplex.“

Eine breite Mehrheit der 24 Anwesenden begrüßte im Rahmen des Gesprächs die Absicht zur Sanierung des Schrammhauses, anstelle eines Abrisses. Herausgearbeitet wurden die drin- gendsten, anzugehenden Probleme. Neben dem nicht mehr tragbaren Zustand der öffentlichen Toiletten und des Rathaushofs standen die dringend verbesserungswürdige Unterbrin- gung der Verwaltung im Rathaus und im Schrammhaus, sowie die sanierungsbedürftige Bausubstanz im Vordergrund. Immer wieder genannt wurde die Notwendigkeit einer Anlaufstelle für Bürger zu verschiedenen bürgernahmen Angeboten und Leistungen und der Wunsch nach Barrierefreiheit. Es müsse insgesamt ein realistisches, dem Baudenkmal angepasstes Nutzungskonzept geschaffen werden, bei dem jedoch die barrierefreie Erreichbarkeit des Rathauses nicht zurückstehen dürfe, ergänzte Büschl.

„Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Vertreterinnen und Vertretern der Fraktionen für ihre sachlichen Beiträge und die rege Diskussion“, so Carda Seidel. Als nächstes sollen die städtischen Gremien über das weitere Vorgehen und dabei insbesondere in einer Grundsatzentscheidung über den Erhalt des Baudenk- mals beraten, um anschließend mit einem Rahmen an Kernthemen nochmals eine Information und Beteiligung der Verwaltung und der Ansbacher Bürger einzuleiten.

Hintergrundinformation:
Die Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen aufgrund ihrer unterschiedlichen Breite einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zugeordnet werden. Damit kann das Fälldatum der Bäume und somit z.B. die Errichtung eines Gebäudes genauer einge- grenzt und bestimmt werden.

 

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