Ansbach Plus | 20. August 2017 AN + | 20.08.2017

Weltfrauentag präsentiert: die Ansbacherin Anna Mayer-Bergwald

avatar

Ein Aufsatz von Alexander Biernoth:

Anna Mayer-Bergwald (* 11.05.1852 – 13.11.1935)

Zu ihren Lebzeiten war sie eine vielgelesene oberbayerische Heimatschriftstellerin, heute ist sie jedoch fast vollkommen vergessen.

090a - Mayer-Bergwald01Anna Mayer wurde am 11. Mai 1852 in Ansbach in dem Anwesen Pfarrstraße 24, dem heutigen Gebäude des Standesamtes und Jugendzentrums der Stadt Ansbach, geboren. Ihr Vater war der Stiftungsadministrator und königliche Rat Heinrich Mayer. Nach der Grundschule besuchte sie das Theresien-Institut für höhere Töchter und schon in früher Kindheit und Jugend weckte ihr Vater durch viele Besuche in Oberbayern die Liebe zur Natur und die Begeisterung für das schöne bayerische Voralpenland. Der Vater, der 1884 nach München gezogen und 1897 gestorben ist, weckte in seiner jüngsten Tochter auch den sehnlichen Wunsch, die Natur und die Tiere der Alpenwelt vor den schädlichen Einflüssen des Menschen zu schützen. Anna Mayer war mit ihrem Vater nach München gezogen und lebte dort, bis sie sich 1911 eine Villa auf der Fraueninsel im Chiemsee kaufte, die sie die „Villa Bergwald“ nannte. Dort lebte sie mit der acht Jahre älteren Geheimratswitwe Martha Aegidi, geborene von Sanden, „in inniger Freundschaft“, wie sie selbst schrieb, zusammen. Die beiden Frauen lebten 25 Jahre lang, bis zum Tod Anna Mayers im Jahr 1935 in einer Hausgemeinschaft zusammen und teilten „Freund und Leid“.

090b - Mayer-Bergwald1Anna Mayer war nach dem Abitur als freiberufliche Journalistin tätig – in zahlreichen Artikeln und Abhandlungen unter anderem auch in der „Fränkischen Zeitung“ beschrieb sie die Schönheit der Alpenwelt, aber auch die kunsthistorisch bedeutenden Zeugnisse der Vergangenheit. Erwähnenswert ist, dass Anna Mayer einige Werke in Chiemgauer Mundart veröffentlichte – einen Dialekt, den sie sich erst in ihrer Münchner Zeit angeeignet hatte. Ihre Bekanntheit und Beliebtheit wird deutlich, dass sie zu ihrem 70. Geburtstag im Jahr 1922 zur Ehrenbürgerin der Fraueninsel ernannt wurde.

Anna Mayer, die sich schon in jungen Jahren den Beinamen „Bergwald“ gegeben hatte, verstarb am 13. November 1935 gegen 16 Uhr im Krankenhaus in Traunstein an den Folgen eines Oberschenkelhalsbruches und wurde auf dem Friedhof in Traunstein beerdigt. Die Traunsteiner Zeitung berichtete damals, dass nur eine kleine Schar Leidtragender, meist Frauen, dem weißverhängten Sarg folgten. Sie hatte, da sie kinderlos war, keine Angehörigen und auch ihre Gefährtin Martha Aegidi konnte wegen Altersgebrechlichkeit nicht an der Trauerfeier teilnehmen.

Ihr erstes Werk hatte Anna Mayer 1890 veröffentlicht und es folgten später noch neun weitere Bücher, so dass heute in den bayerischen Bibliotheken zehn Bücher von ihr nachgewiesen sind – in Ansbach sind nur vier ihrer Werke hier in der Staatlichen Bibliothek vorhanden.

Aufgrund ihres Einsatzes für die bayerische Alpenwelt und die Förderung des Tourismus hatte sie auf fast allen bayerischen Staatsbahnrouten und Lokalbahnen freie Fahrt II. Klasse – eine Ehre die keiner weiteren Frau zu Teil geworden ist. Einer ihrer im Auftrag einer Bahngesellschaft verfassten Reiseführer sei in über 16.000 Exemplaren verkauft worden – in den öffentlichen Bibliotheken Bayerns hat sich leider kein Exemplar erhalten.

Anna Mayer-Bergwald machte oft und gerne Wanderungen durch die Alpen und auch im Winter ging sie auf die Berge – in einer Zeit als von Wintersport noch keine Rede war. Von Zeitgenossen wurde Anna Mayer-Bergwald als eine „kühne Bergsteigerin“ bezeichnet und auf ihren ausgedehnten Wanderungen nahm sie oft ihre Fotoausrüstung mit und machte Aufnahmen, die sie ebenfalls veröffentlichte. Gerade in den Ortsverbänden des Deutschen Alpenvereins hielt sie schon vor dem1. Weltkrieg Lichtbilder-Vorträge und berichtete von den Schönheiten der Alpen. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hat sie auch volkstümliche Lieder getextet und vor allem auch die Melodien komponiert. Ihre Chorsätze für Gemischte- und Männerchöre sind heute noch im Chiemgau in Gebrauch und für die Oberammergauer Passionsspiele hat sie die Texte zum Teil umgearbeitet und zum Teil neu verfasst. Zusammen mit Hermann Kaulbach hat sie auch ein Kinderliederalbum herausgegeben.

Die Liebe zur oberbayerischen Landschaft hat Anna Mayer-Bergwald auch zu einer glühenden Umwelt- und Naturschützerin werden lassen. 1920 beispielsweise, als an den Ufern des Chiemsees Industriebetriebe in großem Ausmaß angesiedelt werden sollten hat sie sich im „Schutzverband“ engagiert und ihre Aufruf „Rettet den Chiemsee“ wurde über eine Million Mal in Bayern verteilt. Sie setzte sich aber aktiv für die Rettung bedrohter Tierarten und gegen Umweltverschmutzung ein.

Anna Mayer-Bergwald war, wie viele ihrer Zeitgenossen, im zweiten deutschen Kaiserreich groß geworden und eine glühende Patriotin. Wegen ihrer Liebe zum Vaterland habe sie, so schreibt sie in den 1920-er Jahren, sehr unter der Niederlage im 1. Weltkrieg gelitten. Die nationale Propaganda der Nationalsozialisten stieß bei ihr deshalb auf offene Ohren und sie sympathisierte mit der NSDAP – ihr hohes Alter hielt sie aber von einem aktiven Engagement ab.

Die Traunsteiner Zeitung hat ihren Tod mit folgenden Worten vermeldet: „Eine schwere Alterskrankheit zwang sie vor Wochen im 83. Lebensjahr, das ihr zur Heimat gewordene Frauenwörth zu verlassen. In aller Abgeschiedenheit hat Frl. Mayer-Bergwald nun den letzten Federstrich ihres Lebens gemacht,. Die vielen besinnlich und beschaulich geschriebenen Zeilen ihrer Heimaterzählungen und besonders ihr Büchlein von Frauenwörth werden in der Erinnerung nicht verblassen. Sie gemahnen an das Leben und weben einer Zeit, die von Güte und Fröhlichkeit gesegnet war und nun abklingt wie ein stiller Herbsttag am Chiemsee, dessen Sonnenfäden in der Dämmerung verschwimmen…

Über die Beerdigung wurde Folgendes berichtet: „…Die Friedhofsstille trug aus der Nähe Hämmerklopfen, Lokomotivenpfiffe … das Lärmen der Arbeit herüber. Man mochte sich durch sie gemahnen lassen, dass die Zeit der Besinnlichkeit und Idylle, der die Verstorbene angehört hat, einer härteren, vom raschen Pulsschlag erfüllten Gegenwart Platz gemacht hat. Aber auch sie wird für die feinfühlige Dichterin der Fraueninsel einige Stunden der Beschaulichkeit übrig haben“.

 

Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige
Stadtwerke Ansbach
Anzeige